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IfM 0110
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Raum für Zeit

Barrierefrei. Das Leben zu genießen, ist kein Privileg junger, aktiver Menschen.
Jetzt sind die Senioren am Zug.

Um nicht alt zu werden, muss man jung sterben. Wer will das schon? Doch manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als würde die Gesellschaft vergessen, dass sie altert. Jeder Einzelne. Ausnahmslos. Dabei begegnet jedem diese Tatsache tagtäglich. Und doch verschließen viele die Augen davor, dass mittlerweile im Bundesland Salzburg mehr als 100.000 Einwohner älter sind als 60 Jahre. Noch deutlicher gefällig? Jeder Fünfte unter uns hat bereits den ersten Schritt in das siebte Lebensjahrzehnt angetreten.
Mit dem Alter ändern sich die Ansprüche an das Zuhause. Nicht allein der Wohnstil, es sind die Wünsche und Begehrlichkeiten, die sich auf sehr grundlegende Bedürfnisse konzentrieren: Gute Erreichbarkeit, kein Treppensteigen, barrierefreier Zugang zu jedem Raum, die Möglichkeit, sein Bad umzurüsten, wenn man nicht mehr so locker wie früher sein Bein über den Wannenrand schwingen kann.

Selbstbestimmt versorgt. Aber auch die Möglichkeit, sich rasch Hilfe beschaffen zu können, zählt. Nur die Straße queren zu müssen, um gesundes, warmes Essen zu leistbaren Preisen zu erhalten, im eigenen Wohnkomplex eine Anlaufstelle für mobile Hilfsdienste zu finden. Mit einem Wort, sich dann besonders geborgen zu fühlen, wenn man selbst nicht mehr alle Erledigungen machen kann. In einem Lebensabschnitt, in dem man Hilfe braucht, aber noch keine Pflege, in dem man sich größtenteils selbst versorgen kann und dennoch Unterstützung schätzt.


„Salzburg weist im Vergleich die höchste Dichte an Pflegeheimplätzen in ganz Österreich auf“, sagt der Obmann der Landesgruppe Salzburg der Gemeinnützigen Bauvereinigungen, DI Wilfried Haertl. Doch das Problem besteht für die Betroffenen Menschen darin, ihre eigenen vier Wände aufgeben zu müssen. Jeder möchte so lange wie möglich in seinem gewohnten Umfeld bleiben. „Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der Veränderung im sozialen Umfeld ist die Errichtung von betreuten bzw. betreubaren Wohnungen eine der Hauptaufgaben der Gemeinnützigen Bauträger für die Zukunft!“, so Haertl weiter.


Die gswb ist dabei Vorreiter im Bereich des betreubaren Wohnens. Die beiden Geschäftsführer, Direktor Christian Wintersteller und Direktor Leonhard Santner setzen Akzente beim Thema seniorengerechtes Wohnen. „Betreutes Wohnen heißt in erster Linie, die Möglichkeit zu schaffen, bei Bedarf in nächster Nähe Betreuung zu finden. Es erfordert, den Menschen zu ermöglichen, länger autark wohnen zu können“, sagt der Architekt Leonhard Santner. „Das bedeutet in erster Linie aber auch die architektonische Einsicht, barrierefrei zu bauen“. Allerdings hat damit das Salzburger Landesgesetz den Weg bestens bereitet. Denn Förderungen für gemeinnützigen Wohnbau gibt es heute nur noch für barrierefreie Wohnungen. „Damit ist Salzburg vielen Bundesländern weit vorausgeeilt“, so Santner. Barrierefrei allein ist jedoch zu wenig. Vorausschauend muss gebaut werden. Was auch jedem privaten Hausbauer anzuraten ist. „Das Bad soll so konzipiert werden, dass es später ohne Probleme umgebaut werden kann. Wer schon beim Bau daran denkt, erspart sich später viel Geld und Sorgen.“

Analyse und Individualität. Gemeinnütziger Wohnbau allerdings kann nicht über alle Gemeinden gleichermaßen „vollstreckt“ werden. „Wir erstellen mit den Gemeinden Analysen, welcher Bedarf besteht und auf den Ort zukommt. Es hängt stark von der dörflichen Struktur ab, was benötigt wird“, erklärt der kaufmännische Direktor der gswb, Christian Wintersteller. In Schwarzach beispielsweise, erwies sich der erarbeitete Plan der gswb als beste Lösung, ein Seniorenheim so nahe an das Pflegeheim zu rücken, dass es mittels unterirdischem Gang verbunden werden konnte. „Hier können jetzt die Bewohner völlig gefahrlos und ohne große Anstrengung etwa zum Mittagessen ins Pflegeheim gehen, Angebote wie Physio- oder andere Therapien wahrnehmen, aber völlig eigenständig wohnen,“ sagt Wintersteller. Andere Gemeinden wiederum  haben die Erfahrung, dass Senioren erst dann aus ihrer häuslichen Gemeinschaft ausziehen, wenn sie schon absolut pflegebedürftig sind. Auch darauf muss Rücksicht genommen werden. Je städtischer eine Gemeinde ist, desto leichter fällt es, vorzusorgen. „Hinsichtlich der technischen Voraussetzungen und baulichen Ausführung der Wohnungen gelten eigene Richtlinien. Auf die sind wir als Bauträger spezialisiert“, sagt Leonhard Santner.


Bedarf an betreubaren Wohnungen hat aber nicht nur der Pongau. Auch in anderen Gemeinden werden von der gswb vergleichbare Projekte realisiert. 2005 wurden von der gswb zwei Wohnhäuser für ältere Menschen in der Stadt Neumarkt am Wallersee fertiggestellt und übergeben. Für die Gemeinden Maishofen, Viehofen und Saalbach-Hinterglemm wird ein Seniorenwohnhaus errichtet, in dem auch zehn betreubare Wohnungen untergebracht sind. Für dieses Bauvorhaben wurde ein EU-weiter Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den ein Salzburger Team für sich entscheiden konnte. Die Übergabe findet im Sommer 2007 statt. Im April 2006 fand der Spatenstich für ein ähnliches Projekt für den Gemeindeverband Altenmarkt, Flachau, Eben und Filzmoos statt. Die Fertigstellung ist für 2007 geplant.


Doch auch für alle anderen gemeinnützigen Bauvereinigungen steht an erster Stelle der Mensch und sein Recht, würdig zu altern. „Dazu gehört nun einmal das selbständige Leben und eine Betreuung nach individuellem Bedarf“, sagt Wilfried Haertl, Direktor der „Heimat Österreich“. „Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbständigkeit wird auch durch unsere derzeitigen Projekte auf allen Linien erfüllt.“ Seit 55 Jahren, als der damalige Direktor der Caritas Salzburg und spätere Erzbischof von Salzburg, Karl Berg, das Unternehmen gründete, wächst „Heimat Österreich“ mit den Veränderungen mit, reagiert auf die Bedürfnisse und schafft Heimat.  Parallel zum Wohnbau gewann die Umsetzung von Sonderprojekten kommunaler Einrichtungen, wie Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen, Pflege- und Behindertenheimen steigende Bedeutung. „Schritt für Schritt ins Wohnglück“ heißt es derzeit bei dem Projekt in Hallwang in der Nachbarschaft des Seniorenhauses Antonius des Roten Kreuzes. „Es entstehen komfortable, attraktive Wohnungen mit einem individuellen Wohnkonzept, das sich den Bedürfnissen und Lebensumständen nahtlos anpasst“, sagt  Christiane Berger aus der Abteilung Wohnungswesen der „Heimat Österreich“. Das bedeutet, dass Voll- und Teilbetreuung sowie Durchführung und Vermittlung von mobiler Krankenpflege und Weiterführung des Haushaltes angeboten werden. Eine mobile Krankenpflege des Roten Kreuzes, die im Erdgeschoss der Anlage stationiert ist, schafft Sicherheit, Essensmöglichkeit gibt es im gegenüberliegenden Seniorenhaus Antonius.  Aber auch in Mattsee und in Anthering entstehen derzeit Wohneinheiten für betreutes Wohnen der „Heimat Österreich“.


„Besonders die Beratung ist ein wichtiger Teil für Senioren, denn ihre Lebensumstände können sich rasch ändern“, sagt gswb-Chef Wintersteller. Wenn dann eine Beratungseinrichtung im Seniorenwohnheim untergebracht ist, fühlen sich die Bewohner bestens betreut. So wird es auch in der neuen Wohnanlage in Badgastein sein, für die vor kurzem der Spatenstich erfolgt ist. Dazu gilt für alle gemeinnützigen Bauvereinigungen noch ein wichtiger Grundsatz: ökologisches und ökonomisches Bauen. Niedrigstenergiehäuser stehen heute auch für betreutes Wohnen an oberster Stelle. Nicht allein aus Einsicht, sondern durchaus auch als Folge von Landesförderungen, die verstärkt für nachhaltiges Bauen ausgeschüttet werden.Senioren in Salzburg können deshalb zuversichtlich sein und sich darauf freuen, dass es betreutes Wohnen gibt, geplant von höchst sensiblen Architekten nach intensiven Analysen, exakt auf den Markt zugeschnitten, auf dem immer mehr der Mensch im Mittelpunkt steht – der Mensch mit einer veränderten Lebenssituation in seinem farbenfrohen Herbst.Andrea Hinterseer

Sonntag, den 01. Juli 2007 um 01:00 Uhr

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