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IfM 0110
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Gute Buben

Didi Constantini. Nach unzähligen Einsätzen als Interims-Trainer übernimmt der Tiroler das rot-weiß-rote Nationalteam für die kommenden zwei Jahre. Im Interview spricht der ÖFB-Teamchef über die gestiegene Erwartungshaltung, die neue Kickergeneration und seine „Frühpension“.

 

ECHO: Für viele Trainer ist der Posten als Nationalmannschafts-Coach der erste Schritt in die Pension – Sie sind mit 54 doch noch einige Jährchen vom Pensionsalter entfernt …

Didi Constantini: Eigentlich bin ich ja schon seit 35 Jahren in der Pension – das kommt jetzt blöd rüber, aber ich habe das Geschenk des Himmels erkannt, dass ich mit meinem Hobby mein Leben verdienen kann: Fußball, ob selbst als Spieler oder in späterer Folge als Trainer, ist für mich keine Arbeit. Also nicht, dass ich den ganzen Tag nichts tun würde – ich habe einst Zusatztrainings eingelegt wie ein Wahnsinniger, um weiterzukommen. Aber das war für mich kein großes Ding, es war einfach nur geil. Deswegen sehe ich das jetzt eben nicht als Pension oder Arbeit – es ist einfach meine große Leidenschaft, meine Sucht, mein Hobby.

ECHO: Seit Ihrem letzten längeren Engagement auf der Trainerbank – 1995 bis 1997 beim damaligen FC Tirol Innsbruck – haben Sie sich vor allem als Interims-Coach einen Namen gemacht. Warum jetzt doch wieder eine Zwei-Jahres-Unterschrift als Nationaltrainer?

Constantini: Diese „Karriere“ als Interims-Trainer habe ich ja zuvor nicht gekannt, das hat sich vielmehr aufgrund meiner Jugend-Camps ergeben. Diese Camps sind mir wirklich eine Herzensangelegenheit, aber sie fallen gleichzeitig zur sommerlichen Vorbereitungszeit des Vereinsfußballs. Als Nationaltrainer hingegen kann ich sowohl die Camps weiter durchführen als auch längerfristig als Trainer tätig sein. Das war ein Grund, der zweite ist natürlich auch, dass wir seit meinem Amtsantritt vor sieben Monaten nicht so schlecht gespielt, einige Punkte gemacht und so auch die Fußball-Stimmung in Österreich wieder angeheizt haben. Also ganz wertfrei: Innerhalb der letzten sieben Monate sind wir von Platz 88 in der Weltrangliste auf Platz 58 vorgestoßen!

ECHO: Aber dennoch sind kritische Stimmen zum Nationaltrainer so sicher wie das Amen im Gebet – immerhin gibt es ja einige Millionen, die davon überzeugt sind, es auf jeden Fall besser zu wissen.

Constantini: Das ist ja auch angenehm, da bekommt man dann ja die Tipps, wie es zu machen ist. Nein, im Ernst: Kritik gehört zu diesem Geschäft, das ist normal. Natürlich denkst du dir bei der einen oder anderen Kritik deinen Teil – etwa wenn kritisiert wird, dass wir im Nationalteam keine Laktattests durchführen, wo dir jeder Experte sagen wird, dass diese bei einer drei- oder zehntägigen Vorbereitung völlig sinnlos sind. Was uns aber eben auf jeden Fall gelungen ist, ist, dass wir die Fußballstimmung in dem Land wieder ins Positive gedreht haben. Das war eines der Hauptziele von Beginn an. Und das ist das Ergebnis der Mannschaft, wie sie die Spiele der letzten Monate absolviert hat. Natürlich steigert sich damit auch die Erwartungshaltung, aber das ist auch gut so. Davor traut dir keiner etwas zu, und wenn du dann gut reüssiert hast, dann sagt ein jeder: Jetzt muss mehr folgen. Aber das haben sich die Jungs selber verdient, dass sie jetzt eben noch härter beurteilt werden.

ECHO: Ist diese gesteigerte Erwartungshaltung gerade im Hinblick auf die kommende Qualifikation zur Europameisterschaft ein Problem?

Constantini: Überhaupt nicht. Wenn wir spielen, dann spielen wir um uns zu qualifizieren. Wir gehen da rein, und auch wenn es noch so utopisch ist, müssen wir die Qualifikation zur EM als klares Ziel haben. Aus! Diese hohe Erwartungshaltung ist okay, ist weder für mich noch für die Spieler ein Problem.

ECHO: Jantscher, Beichler, Pehlivan, Dragovic, Alaba und dergleichen – die von Ihnen ins Team neu berufenen Spieler fallen vor allem durch ein Prädikat auf: jung.

Constantini: Moment: Ich habe diese Spieler ja nicht zum Team geholt, weil sie jung sind, sondern weil sie gut sind! Beispielsweise bei Yasin Pehlivan haben alle gelacht und gemeint, nach vier Spielen ist das ja viel zu früh. Jetzt diskutiert schon ein jeder, bei welchem Verein er einmal landen wird. Jakob Jantscher hat bei Sturm vor seiner Einberufung noch nicht mal 90 Minuten durchgespielt und ist aber seit seiner Einberufung sowohl im Verein als auch im Team eine Fixgröße. Und Aleksandar Dragovic habe ich x-mal beobachtet und mir jedes Mal gedacht: Der Bua is 19 Jahre und spielt so souverän wie ein 30-Jähriger. Das sind alles gute Buben – nicht nur die angesprochenen, alle!

ECHO: Was ebenso noch auffällt, die Anzahl der Spieler mit Migrationshintergrund ist nun auch im österreichischen Nationalteam sehr gewachsen.

Constantini: Sehr gut. Diese Entwicklung haben die Schweizer mit ihren Secondos schon länger hinter sich und ich weiß nicht, warum wir hier später dran sind. Vielleicht hat sie vorher niemand geholt – ich schaue aber überhaupt nicht, ob der aus der Türkei, Nigeria oder sonst woher ist: Die Leistung zählt. Und auch die Symbolwirkung ist wichtig – Sport verbindet unglaublich.

ECHO: Heuer zeigen sich auch die österreichischen Vereine international höchst konkurrenzfähig. In den letzten Jahren …

Constantini: … sind sie mit Pauken und Trompeten ausgeschieden. Ich glaube, hier schließt sich so langsam die Spirale im Nachwuchs. Denn wenn ein Nachwuchsspieler nicht schnell ist, dann bricht er irgendwann aus der Ausbildungsschiene weg – es gibt also quasi mehr und mehr ein Ausleseverfahren, wo nur mehr die Schnellen übrig bleiben. Und das ist heutzutage das Um und Auf: Der Spieler kann alles können, wenn er nicht die Schnelligkeit hat, hat er verloren. Ich sage jetzt nicht, dass das Tempo im österreichischen Fußball fehlt, aber vor allem international ist es so – das haben wir gerade gegen Frankreich gesehen –, dass du dann Fehler machst, wenn die anderen zu schnell sind.

Interview: Andreas Hauser, Michael Kogler

Montag, den 02. November 2009 um 17:29 Uhr

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