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„Wettbewerb belebt das Geschäft“

Interview. ECHO sprach mit dem Bahn-Experten Gunther Pitterka, Geschäftsführer der Salzburger Eisenbahn Transportlogistik GmbH (SETG), über die Stolpersteine im liberalisierten Schienengüterverkehr. ECHO: Was genau bietet die Salzburger Eisenbahn Transportlogistik GmbH an?
Gunther Pitterka: Wir bieten Kunden europaweite Bahnlogistik aus einer Hand, sowohl in Traktion mit Staatsbahnen als auch in Eigentraktion. Darunter fallen Ganzzüge  und Einzelwagentransporte, aber auch kombinierte Transporte Lkw-Bahn oder Bahn-Schiff; dies in den Produktgruppen Forstprodukte, Stahl und Chemie.
ECHO: Immer häufiger zeigen private Bahnunternehmen vor, wie man einen konkurrenzfähigen Güterverkehr auf Schienen bringt. Wieso gelingt den Privaten, was die Staatsbahnen nicht geschafft haben?
Pitterka: Wettbewerb belebt grundsätzlich das Geschäft. Die Staatsbahnen leben seit Jahren in Monopolstrukturen, wobei der Staat, also die Steuerzahler, auch noch das Risiko von Verlustausfällen trägt. Privatbahnen und private Bahnlogistik-Unternehmen sind von wirtschaftlichem Handeln geprägt und demnach auch innovationsfokussiert. Zudem gibt es schlanke Entscheidungsstrukturen und effektiveren Equipmenteinsatz.
ECHO: Ihre Züge fahren auf den Gleisen der Staatsbahnen, also von Mitbewerbern, welche Probleme bringt das mit sich?
Pitterka: Die Trassenvergabe ist in den meisten Ländern der EU mittlerweile neutral gehandhabt. Der Teufel steckt aber im Detail, wenn es Trassen nicht zu gewünschten Zeiten gibt oder Zugbildegleise zurückgebaut werden. Zu Zugbildebahnhöfen haben private Eisenbahnverkehrsunternehmen nach wie vor keinen Zugang, ebenso zu vielen Kombi-Verkehrsterminals. Die staatlichen Netzbetreiber holen sich kein Feedback von privaten Kunden, um die Gleisinfrastruktur entsprechend zu gestalten. Zudem sind etwa in Österreich Kontrollorgane nicht bei einer neutralen, staatlichen Stelle, sondern bei den ÖBB. Dies wäre vergleichbar damit, wenn im Straßenverkehr der Frächter A gleichzeitig die Polizei stellt, um den Frächter B zu kontrollieren. Das so ein Instrumentarium eher marktpolitisch eingesetzt wird und weniger der Sicherheit dient, zeigt leider die Praxis.
ECHO: Wie beurteilen Sie generell die Rahmenbedingungen für privaten Schienengüterverkehr in Österreich und der EU?
Pitterka: Der Staat muss sich langsam klar darüber werden, was er will: Eine Staatsbahn jährlich mit 6,8 Milliarden zu unterstützen und gleichzeitig Wettbewerb zu spielen, funktioniert nicht. Hier müssen gleiche Marktvoraussetzungen für alle geschaffen werden. Ähnliches wie in Österreich gilt auch für andere Länder: Defizitäre Staatsbahnen sind heute dabei, Wettbewerber aufzukaufen, um die Märkte wieder zu monopolisieren. Aufgrund der miserablen Produktionsqualität der Staatsbahnen schadet dies dem Bahnverkehr im Allgemeinen. Aufgrund der Defizite der Staatsbahnen schadet es den Steuerzahlern und aufgrund des somit fehlenden Wettbewerbes schadet es den Kunden.
ECHO: Was muss sich hier alles verbessern?
Pitterka: Alle Marktteilnehmer müssen zu gleichen Rahmenbedingungen wirtschaften können, das heißt öffentliche Bahnen ­­
(Staats-,­ Länder- und Kommunalbahnen, Anm.) müssen ebenso eigenwirtschaftliche Verkehre leisten wie Privatbahnen und nicht mit dem Polster agieren können, dass der Steuerzahler jede wirtschaftliche Fehlhandlung kompensiert. Wenn Staatsbahnen heute mit Dumpingpreisen versuchen, private Eisenbahnen aus dem Markt zu drängen, können sie das nur, weil der Steuerzahler für diesen Unfug aufkommt. Für Leistungen im öffentlichen Interesse darf es ausschließlich zur Vergabe über Ausschreibungen kommen.  
ECHO: Der europäische Schienenverkehr wurde liberalisiert. Noch halten sich die Staatsbahnen damit zurück, in den ,Revieren’ ihrer Nachbarn zu wildern, dennoch ist für die Zukunft ein Konzentrierungsprozess im Güterverkehr zu erwarten. Eine Entwicklung, die nichts Gutes erwarten lässt, oder?
Pitterka: Ganz richtig. Die aktuellen Bestrebungen der SNCF (Französischen Bahn, Anm.) und DB (Deutschen Bahn, Anm.), durch Aufkäufe von Mitbewerbern im Ausland Wettbewerb zu verhindern, zielt in diese Richtung. Hier wäre die EU gefragt, Aufkäufe zu unterbinden, wenn dies nur mit dem Background des Steuerzahlers geschieht.
ECHO: Die ÖBB hat kürzlich die ungarische Güterbahn MAV Cargo übernommen. Nun sollen Teile des ÖBB-Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße verlagert werden. Wie beurteilen Sie diese paradoxe Entwicklung?
Pitterka: Mit der überteuerten Übernahme von MAV Cargo drängt sich auf, dass man hier nur kaufen wollte, bevor es DB oder SNCF tun. Durch diese Staatsbahn-Deals wird aber noch kein Kilogramm von der Straße auf die Schiene verlagert, ganz im Gegenteil! Weil der Fokus nur mehr auf Zukäufen liegt, werden Innovationen und strukturelle Verbesserungen im Kernnetz vernachlässigt.
ECHO: Welche politischen Veränderungen  sind für mehr Güter auf der Schiene nötig?
Pitterka: Einheitliche, europäische Standards im Wettbewerb der Bahnen, eine Entrümpelung des Bahn-Vorschriftenwesens und Zulassung längerer und schwererer Züge ohne nationale Grenzen.
Interview: Manfred Parzmayr
Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 10:50 Uhr

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