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Auf Augenhöhe

FC Wacker. Der neue Sportdirektor des Innsbrucker Profivereins über die gegebene „Aufstiegspflicht" am Tivoli, die erhoffte Konkurrenz zu alten Bekannten und die Bedeutung der Aufbauarbeit im Tiroler Profifußball.

ECHO: Sie haben mit Ihrem Amtsantritt als Wacker-Sportdirektor die Seiten vom obersten Vertreter der Fußballergewerkschaft hin zum Sportfunktionär gewechselt – stehen somit quasi von heute auf morgen auf der anderen Seite ...
Oliver Prudlo: Das sehe ich grundsätzlich nicht so – ich habe die Seiten keinesfalls gewechselt. Ich war vorher auf der Seite des Fußballs und bin es heute noch immer. Auch als Vorsitzender der Spielergewerkschaft war ich nicht auf einem Auge blind und habe nur stur auf die Interessen der Spieler geschaut. Natürlich richtet sich jetzt bei meiner Arbeit der Focus auf die Interessen des Vereins. Aber Fußball kann nur funktionieren, wenn die Zusammenarbeit für beide Seiten erfolgreich ist, beide Seiten zufrieden sind. Diese Denkweise und Einstellung habe ich jetzt nicht mit meiner neuen Position abgelegt.
ECHO: Warum erfolgte dieser Einstieg in die Vereinsarbeit erst jetzt – war Wacker das erste Angebot?
Prudlo: Nein, es war nicht das erste Angebot, aber man kennt ja meine Fußball-Vergangenheit: Ich war über zehn Jahre als Profi in Innsbruck tätig, dadurch liegt mir der Tiroler Fußball durchaus sehr am Herzen. Und es ist auch eine besondere Herausforderung – es gibt wenige Vereine in Österreich, wo man überzeugt sagen kann: Es ist eine wirklich interessante Herausforderung.
ECHO: Inwieweit ist Ihre Erfahrung als Spielergewerkschaftler hier hilfreich?
Prudlo: Generell ist es natürlich von Vorteil, dass ich die Branche Fußball ja nie verlassen habe. Ich merke schon, dass ich mir während meiner Zeit bei der VdF viele Kenntnisse angeeignet habe, die ich nun in der neuen Funktion nutzen kann. Und zusätzlich ist auch die nötige Vernetzung gegeben: Nach 15 Jahren als Profi und später als Gewerkschaftler kenne ich überall jemanden, den ich im Fall der Fälle anrufen kann.
ECHO: Bei der jährlichen VdF-„Tabelle der anderen Art" schneidet der FC Wacker stets in puncto Zahlungsmoral und Einhaltung von Abmachungen nach anonymer Auskunft der Spieler sehr gut ab – in der öffentlichen Wirkung hingegen mehr schlecht als recht.
Prudlo: Stimmt, die Euphorie ist im Tiroler Fußball seit Jahren nicht mehr wirklich vorhanden, was ja durchaus verständlich ist. Das Desaster des FC Tirol im Jahre 2002 hat vielen Leuten die Freude am Profifußball genommen, und diese zurückzuholen, das dauert lange. Und wir können es nur mit guter und kontinuierlicher Arbeit erreichen. Aber es gibt durchaus Ansätze, siehe das Spiel gegen die Admira, wo ein Aufflackern der Begeisterung zu spüren war. Und die braucht sich in Österreich nicht zu verstecken.
ECHO: Eine Begeisterung, die in der Vergangenheit aber vor allem von großen Namen am Feld getragen wurde ...
Prudlo: Ja, aber diese Zeiten sind vorbei. Namen wie Hansi Müller wird es in Österreich nie mehr geben! Wir müssen auf Eigenbauspieler setzen, die zur Sache gehen und Einsatz zeigen. Daraus können wir auch etwas entwickeln. Natürlich ist das Inns­brucker Publikum ein erfolgsverwöhntes, früher war ja ein internationaler Startplatz schon das unterste Ziel. Da wollen wir auch wieder hin. Aber Schritt für Schritt. Jetzt gelten unsere Anstrengungen dem möglichen Aufstieg.
ECHO: Weiterhin in der Rolle als Ausbildungsverein?
Prudlo: Wir wollen die jungen Spieler, wenn sie sich gut entwickeln, natürlich am Tivoli behalten, und dass sie sich hier bis zum Nationalspieler entwickeln. Aktuell sind wir hierfür nicht in der optimalen Situation. Noch nicht. Aber das heißt jetzt nicht, dass wir herumgehen und Spieler zum Verkauf anbieten!
ECHO: Aber bei einem passenden Angebot wäre man nicht abgeneigt?
Prudlo: Das heißt jetzt nicht, dass wir herumgehen und Spieler zum Verkauf anbieten.
ECHO: Aktuell pflegt der Wacker eine recht gute Beziehung zu Rapid – sollte diese Kooperation weiter forciert werden?
Prudlo: Ich glaube nicht, dass wir sie weiter ausbauen müssen. Wenn das Sinn macht, macht es Sinn. Bislang hat es sich bewährt, vielleicht auch noch in näherer Zukunft – aber in der Bundesliga sind wir sowieso wieder Konkurrenten, und auf Dauer wollen wir natürlich wieder auf Augenhöhe zu Vereinen wie Rapid aufschließen.
ECHO: Ist dies mit den gegebenen Umständen, vor allem finanziell, in Innsbruck überhaupt möglich? Denn zwischen dem Wacker-Budget und den Top drei der Bundesliga liegt ja mindestens ein dominanter Mäzen mit großen Spendierhosen.
Prudlo: Natürlich würde ein solcher Mäzen, der Kapital zur Verfügung stellt, die Arbeit erleichtern. Andererseits besteht natürlich immer die Gefahr, dass sich ein Verein zu sehr vom Wohlwollen einer Person abhängig macht und Gefahr läuft, seine Traditionen zu verlieren. Uns ist wichtig, dass die Leute erkennen, dass beim FC Wacker Innsbruck seriös gearbeitet wird. Denn Rapid, aber auch die Austria und natürlich Salzburg, haben ein Vielfaches von unserem Budget – da brauchen wir nicht zum Träumen anfangen. Aber mit Vereinen wie Sturm denke ich schon, dass wir mithalten können, wenn wir wie die Grazer ebenso langfristig den Weg des eigenen Nachwuchses gehen. Nur so, wenn der eigene Nachwuchs forciert wird, kann man in Österreich nachhaltig Erfolg haben.
Interview: Michael Kogler

Zur Person
Oliver Prudlo, geboren am 16.04.1968, begann seine Profifußballkarriere 1986 im Dienste des Wiener Sportklubs und beendete sie nach insgesamt 353 Spielen und zuletzt neun Saisonen in Innsbruck nach dem FCT-Crash 2002. Von November 2006 bis März 2010 war Oliver Prudlo Vorsitzender der österreichischen Spielergewerkschaft (VdF), seit März fungiert er als neuer Wacker-Sportdirektor.

Samstag, den 01. Mai 2010 um 12:33 Uhr

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