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„Ziach“

Schlittengeschichte. Was am Land früher üblich war, nämlich Holz und Heu auf den guten alten Ziach-(oder Zieh-)Schlitten vom Berg ins Tal zu bringen und dabei als Lenker und Bremser vorne weg zu rutschen, wurde in den letzten Jahren zur beliebten Winter-Nostalgie-Veranstaltung. Damals riskierten die Bauern ihr Leben, wenn sie mit einer schweren Ladung Holz zu Tal schlitterten, und oft genug endete so eine Fuhre tragisch.

Das Holzziehen war eine schwere und gefährliche Arbeit, und nur kräftige und erfahrene Holzknechte konnten diese Tätigkeit verrichten. Bereits im Spätherbst begannen die Vorarbeiten. Das im Sommer geschlägerte Holz wurde mittels natürlicher Geländerinnen oder so genannter „Riesen“ und „Loiten“ zusammen „gepirscht“. Hölzerne Riesen wurden bei Grabenüberquerungen oder bei Fehlen von geeigneten Erdrinnen von den Holzknechten angelegt. „Loiten“, eigene Rutschbahnen, wurden dort angelegt, wo das Holz quer zum Hang geliefert wurde.
Im Spätherbst folgte das „Vorrichten“ der bis ins hinterste Ende der Seitengräben reichenden kilometerlangen Holzziehwege. Dabei wurden Zäune umgelegt, Unebenheiten in der Fahrbahn händisch beseitigt, gefährliche Stellen talseitig mit „Stempeln“ (Pfählen) verschlagen und später mit so genannten „Fürlegern“, den eingelegten Rundhölzern an Gefahrenstellen, verlegt. Traten Nassstellen in den Ziehwegen auf, so wurden diese mit Fichten- oder Tannenästen bedeckt, damit der Schnee besser liegenblieb.
Nach den Vorarbeiten im Spätherbst hieß es auf den geeigneten „Zieherschnee“ warten. War es soweit, konnte das Holzziehen mit den schweren Schlitten beginnen. Die Ziehwege wurden nun geöffnet.
Bis Anfang der 1930er Jahre wurden die Schlitten dabei auf dem Rücken der Holzzieher bergwärts getragen. Früher, so erzählen alte Holzknechte, waren die Schlitten wesentlich leichter. Auch wurde das Blochfuder am Ender nur mit Stricken zusammengebunden. Im Laufe der Jahre verbesserte und verstärkte man die Ziehschlitten. Dadurch war es möglich, mehr Holz zu laden. Bis zu vier Festmeter brachten geübte Zieher mit nur einem Blochfuder zu Tal. Allerdings hatten Schlitten letzterer Ausführung mit Bundkette, Zsammspitzer, Klampfern, Sperrketten, Bremstatzen und dergleichen ein Gewicht von rund 60 Kilogramm. Man gab daher das Tragen der Schlitten langsam auf. Danach zog man mithilfe von Schultergurten („Züg“) die schweren Schlitten bergauf. Die „Züg“ hatte zwei Gurtenschlingen, die in einem Eisenring, dem Zugring, befestigt waren. Daran hing die Zugkette mit Haken und Einhängen in den Schlitten. In seltenen Fällen, vor allem bei nassem, schwerem Schnee oder bei Engstellen in der Fahrbahn, wurden die gewichtigen Schlitten auch später noch mit den Händen getragen. Diese kräfteraubende Arbeit in oft steilstem Gelände konnte mehrere Stunden dauern.
Im Großarltal und in einigen benachbarten Tauerntälern verwendeten die Holzzieher seit jeher Ziehschlitten mit starrem Sattel. Überall sonst war hauptsächlich der Reib- oder Drehsattel in Verwendung. Nach Aussagen alter Holzknechte fährt man im steilen, schwierigen Gelände das schwere Blochfuder mit dem starren Sattel sicherer zu Tal.
Beim Beladen des Blochfuders achteten erfahrene Zieher auf eine gleichmäßige, gute Gewichtsverteilung. Ungleich schwere Fuder waren bei der waghalsigen Abfahrt schwer zu halten, und mitunter stürzte der Zieher mit dem Schlitten um. Waren aber einmal alle Schlitten beladen, stemmte sich der erste Zieher mit kräftigem Ruck in die Ziehgurte, bis der Schlitten endlich in Fahrt kam. Der Zieher durfte keinesfalls vergessen, daß sofort nach Fahrtbeginn die „Züg“ von der Zugkette losgelöst wurde, denn im äußersten Notfall konnte man nur durch Abspringen einem Unglück entkommen.
Aber auch Pferde wurden zum Holzziehen eingesetzt. Besonders bei flachen Ziehwegen mit Gegensteigungen oder bei Schneemangel brachte der Einsatz von Pferden eine große Erleichterung für die Zieherpartie. Die schweren Schlitten wurden dabei von den Pferden zu Berg gezogen. Eine weitere Erleichterung für die Holzzieher brachte Anfang der 1950er Jahre der mit Seilwinde und Dieselmotor betriebene Schlittenaufzug, der bei verschiedenen Forstverwaltungen, so auch in Großarl, von da an eingesetzt wurde. Damit konnten die Holzknechte mit ihren Schlitten erstmals mit Motorkraft bergwärts gezogen werden, und das anstrengende Hinaufziehen der schweren Handschlitten mit Menschenkraft entfiel.
Das „Holzziachn“ dauerte in der Regel von Neujahr bis Frühlingsanfang. Nicht immer war in den normalerweise schneereichen Gebirgstälern genügend Schnee zum Ziehen. Trotzdem mußte das Holz rechtzeitig geliefert werden, denn nicht wenige Talbewohner verdienten seinerzeit durch das Holzziehen ihren Lebensunterhalt.
Bis zum Schluss hat sich in manchen Gegenden der einzigartige Brauch des Brautziehens erhalten. Nachdem die schwere und gefährliche Arbeit des Holzziehens zu Ende ging, führte man zum Abschluss jeder Partie das allerletzte Blochfuder mit dem „Brautbloch“ feierlich zu Tal. Nach Auskunft alter Holzarbeiter war es üblich, als „Brautfuder“ das stärkste Bloch am Schlag, das als „Hagmoar“ bezeichnet wurde, ins Tal zu bringen.
Die Holzbringung mit Ziehschlitten galt als besonders waldschonend. Heute gehört das Holzziehen, das für viele Holzarbeiter und Bauern einst eine wichtige Einahmequelle war, zusammen mit anderen Arbeitsvorgängen der traditionellen Land- und Forstwirtschaft der Vergangenheit an. (Textquelle: Winterholz)
Christoph Archet

 

Mehr zum Thema Holz und Ziehschlitten in:
Winterholz
Autor: Walter Mooslechner

8. Auflage, 136 Seiten, zahlreiche Farb- und
SW-Abbildungen, Hardcover
EUR 19.95, ISBN 978-3-7025-0364-2

„Mit hervorragendem Sachverstand und außerordentlichem Feingefühl gelingt es Mooslechner, die über Jahrhunderte hinweg dauernde Harmonie von Mensch und Holz zum Ausdruck zu bringen.”
Kritik aus: Der Förderungsdienst – Zeitschrift für Agrarwirtschaft, Ernährung, Ökologie und Umwelt

Walter Mooslechner
geboren 1944, ehemaliger Forstwirt und Mitarbeiter des Museumsvereins „Denkmalhof Kösslerhäusl”, ist mit der alpinen Kulturlandschaft bestens vertraut. Ebenfalls im Verlag Anton Pustet erschienen:
„Almsommer”.

 

Wissen: „Schleife”
Das beliebte Wintersportgerät hatte seinen Ursprung vor einigen tausend Jahren ausgerechnet in heißen Gefilden. Der älteste Nachweis über einen Schlitten findet sich auf einer Tafel im Tempel von Uruk im damaligen Mesopotamien, dem heutigen Irak. Die so genannte „Schleife“, ein Ziehgerät ohne Kufen, gilt als Vorstufe heutiger Schlitten und zugleich als das älteste Transportgerät der Welt.

 

Freizeitspaß Ziach- oder Hornerschlittenrennen

Vom Arbeitsgerät zur zünftigen Pistengaudi. Veranstaltungen mit Ziach- oder auch Hornschlitten, wie sie genannt werden,  erlebten in den letzen Jahren einen wahren Boom. Mehr als 1000 Zuschauer sind bei deratigen Events keine Seltenheit mehr. Dabei muss zwischen Hornerschlittenrennen und Nostalgieveranstaltung unterschieden werden. Im Rahmen der Rennen geht es neben der Zeitnehmung oft auch um kuriose Verkleidungen, während Nostalgieveranstaltungen wie in Maria Alm Wert auf originalgetreue Kleidung und Schlitten legen. Bei diesen Schaulaufen spielt vor allem der historische Rückblick in die Arbeitswelt vergangener Tage eine wichtige Rolle, ohne dass dabei der Spaß zu kurz kommt, wie die Veranstalter betonen.
Gesellig und bunt geht es beim Hornschlittenrennen in Faistenau zu.


Faistenau. Zum bereits sechsten Mal findet das Faistenauer Hornerschlittenrennen am Sonntag, dem 30. Jänner 2011 statt! Beim ehemaligen Sonnenhanglift (gegenüber Oberwaldlift in Faistenau-Wald) wird eine sehr selektive Streckenführung aufgebaut. Beim Faschingsevent der etwas anderen Art steht der Spaß der Teilnehmer und Zuschauer im Vordergrund. Jedermann und -frau ist eingeladen mitzumachen. Benötigt wird ein Schlitten (egal ob Ziachschlitten, Schloapf -, Spangeischlitten oder sonstiges Untergestell), auf dem jedoch vier Personen sitzen, stehen, liegen usw. müssen (gilt für Männer- & Weiberschlitten). Historische Kleidung sowie ein Schlittenname sind ausdrücklich erwünscht.
Besonders würde man sich über die Teilnahme gemischter, „Weiber-“ oder gar „Gaudischlitten“ freuen (extra Prämierungen). Musikalische Untermalung sowie ein Rahmenprogramm wird ebenfalls geboten.  Die Siegerehrung findet um circa 17.00 Uhr im Gasthof Alte Post statt.
Wann: Sonntag, 30. Jänner 2011 – Start um 12.30 Uhr (Schlittenfahrer sollten jedoch schon früher da sein, Anmeldungen sind bis 12.00 Uhr möglich)
Wo: Beim ehemaligen Sonnenhanglift – 1,5 km vor Faistenau von Hof kommend – Parkplätze sind ausgeschildert vorhanden.
Nähre Infos sowie Schlittenverleih auf Anfrage:
Michael Bliem Tel.: +43 (0) 664/432 35 96 (Obmann des Hornerschlittenstammtisches)
Die Teilnahme ist ab 18 Jahren möglich, Unter-18-Jährige benötigen die Zustimmung der Eltern.  Weitere Infos unter: www.hornerschlitten.at

Maria Alm.  Am 5. März 2011 findet zum 23. Mal das älteste und größte Ziachschlittenfahrn Österreichs  statt. Über 50 Schlitten werden erwartet, viele davon werden wieder mit Heu, Holz, Krautspeck, Truhen, Kannen uvm. ins Tal donnern.
Ablauf am Jufen:
11.30 Uhr    Zusammentreffen der Teilnehmer. Gemeinsames Aufwärmen mit heißen Getränken, Speisen und Musik!
12.00 Uhr    Publikums- und KInderprogramm.   Schauvorführung – das Beladen eines Heuschlittens wird gezeigt
13.30 Uhr    Start (Abfahren der Schlitten vom Jufen)
16.00 Uhr    Preisverleihung im Ziel
Auch heuer  können die Zuschauer einem gratis Bus-Shuttle von der Ortseinfahrt (Lohninger PP, gegenüber Bachwirt) bis zum Zielraum ab 11.30 Uhr und retour ab circa 17.00 Uhr nutzen.
Weitere Infos unter:
www.ziachschlitten.at

Freitag, den 28. Januar 2011 um 13:16 Uhr

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