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Chorgesänge

Jubiläum. Vor 65 Jahren gründete der Komponist und Musiker Bert Breit den Kammerchor Walther von der Vogelweide. Binnen kürzester Zeit wurde er zu einem der kulturellen Aushängeschilder Tirols – heute muss sich der Chor gegen starke Konkurrenz behaupten. Das ist nicht leicht.

Einfachen Zeiten entgegen geht er nicht, der Kammerchor Walther von der Vogelweide. Das wissen alle, die dabei sind. Seit 65 Jahren gibt es den Laienchor mittlerweile, und anlässlich des Jubiläums findet man auch klare Worte dafür, woran es fehlt. „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Mitgliedern, an Menschen, die Spaß am Singen haben, aber das ist gar nicht leicht in der heutigen Zeit“, erklärt Vereins­obmann Stefan Runge. Die Zeiten, als der „Vogelweiderchor“ einer der wenigen herausragenden Chöre in Österreich war, sind lange vorbei. Ebenso die Zeiten, wo er zu großen Welttourneen aufgebrochen ist, nationale und internationale Preise eingeheimst hat. Das liegt weniger am Engagement der Beteiligten, als an der immer stärker werdenden Konkurrenz aus dem professionellen und semiprofessionellen Bereich, an den fehlenden finanziellen Mitteln und organisatorischen Ressourcen. „Waren früher sehr gute Sänger sich nicht zu minder, in einem Chor mitzusingen, so streben sie heute alle danach, solistisch aufzutreten“, kritisierte schon vor einigen Jahren der damalige Obmann Norbert Lederbauer. Reiner Individualismus aber ist der Untergang des Chorwesens.
Dagegen anzukämpfen hat sich der Kammerchor Wal­ther von der Vogelweide anlässlich seines 65-jährigen Bestehens einmal mehr vorgenommen. Mit neuem Schwung will er in die Zukunft blicken – ein Blick zurück kann dabei nicht schaden.

Gemischt. Gegründet wurde der zunächst noch namenlose Chor 1946 vom Tiroler Komponisten und Musiker Bert Breit. Der ursprünglich reine Männer-Chor wurde bald zum „Kammerchor Walther von der Vogelweide“ und zum gemischten, nicht zuletzt, da die Chorliteratur für einen solchen weit umfangreicher ist und ganz im Sinne seines Gründers neben einem klassischen auch ein modernes Repertoire ermöglichte. Genauso rasch avancierte der Gesangsverein zu einem der kulturellen Aushängeschilder des Landes in der Nachkriegszeit. Zumal Breit und seinen Sängern das große Verdienst zukam, sich lange vor anderen intensiv der Alten Musik, der Musik der Renaissance gewidmet und kostbare gesangliche Schätze dem Vergessen entrissen zu haben. Gleichzeitig zeigte der Kammerchor eine große Freude an der Interpretation zeitgenössischer Werke, scheute sich nicht vor Experimenten, war offen für neue Strömungen. Als Bert Breit 1961 die Leitung des Chors Othmar Costa übertrug, gab er seine Sänger, seine Idee in gute, in bekannte Hände. 1956 war Costa mit seiner Frau zum Chor gestoßen, der damals als erste Adresse im Land galt. „Da waren die besten Stimmen, die Genauigkeit der Arbeit war vorbildlich“, erinnerte sich Costa anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums. Der ehemalige „Reservedirigent“ führte den Chor von einem internationalen Auftritt zum anderen.
Schon in den 1950er Jahren hatte die Gesangsgruppe den einen um den anderen Preis eingeheimst und große Tourneen absolviert. Unter Costa sollte der Gesangsverein aber zur internationalen Größe wachsen. Für eine Konzertreihe mit Auftritten unter anderem in München, Berlin, Warschau und Wien studierte er Chorwerke von Johann Nepomuk David ebenso ein wie Motetten von Johann Sebastian Bach und die Johannespassion von Leonhard Lechner. Zwei Mal in der Woche proben hieß es für die Chormitglieder, die umjubelten Auftritte entschädigten für die harte Arbeit in der Freizeit. Das Engagement trug international Früchte. In den 1960er und 1970er Jahren bestritt der Laienchor große Auslandsreisen, unter anderem ging es nach Japan, und von dort über Hongkong, Bangkok, Kuala Lumpur, Bombay nach Kairo. „Wir hatten allein für die Erarbeitung von drei Konzertprogrammen 71 Proben vorgesehen“, erzählte Gilbert Ploner im Interview für die Jubiläumsbroschüre vor fünf Jahren: „Der Erfolg war überwältigend, obwohl das Programm überaus anspruchsvoll war, und nicht vorausgesagt werden konnte, ob es in diesen Ländern entsprechenden Zuspruch bekommen würde.“ Seit 1949 war Ploner Mitglied des Chors, 2006 ging er schließlich in den „wohlverdienten Ruhestand“, doch noch heute besucht er jedes Konzert „seines“ Vereins.
Als ein weiteres der vielen Highlights gingen die große Amerika- und die Israeltournee in die Geschichte der Gesangsgruppe ein. Erstere führte den Chor 1974 an sieben Universitäten der Ostküste. Die Israelreise fand 1988 statt, zu einem Zeitpunkt, als die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern auf einen neuen Höhepunkt zusteuerten. Die großen Konzertreisen und die Teilnahme an den verschiedenen internationalen Wettbewerben spornten die Mitglieder des Kammerchors Walther von der Vogelweide nicht nur ungeheuer an, sie bedeuteten auch ein großes finanzielles Risiko, einen immensen, organisatorischen Aufwand und nicht zuletzt ein – nicht nur neben der Berufstätigkeit – oft nur schwer zu bewältigendes Probenpensum, ganz zu schweigen von den Urlauben, die geopfert werden mussten. Dazu kam, dass Laienchöre einer immer stärker werdenden Konkurrenz aus dem professionellen und semiprofessionellen Bereich gegenüberstanden.
Trotzdem hat der Chor im Laufe der Jahrzehnte, haben die Nachfolger von Costa – 1994 übergab er die Leitung an Armin Kölbl – immer alles daran gesetzt, ein hohes gesangliches Niveau zu halten, ein spannendes und vielschichtiges Repertoire zu erarbeiten. Nach Waltraud Pörnbacher liegt es nun seit 2009 an Claudio Büchler, den Vogelweiderchor in die Zukunft zu begleiten. Trotz Nachwuchssorgen und schmalem Budget fehlt es auch 65 Jahre nach der Gründung nicht an Innovationswillen und frischen Ideen – so bestreitet der Gesangsverein zum Beispiel im Oktober gemeinsam mit dem Orchester InnStrumenti die Uraufführung der Psalmenmesse des Komponisten Martin Lichtfuss. Susanne Gurschler

Dienstag, den 03. Mai 2011 um 11:39 Uhr

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