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IfM 0110
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Plötzlich mächtig

Fast unbemerkt übernahm Christoph Platzgummer die Leitung der Raumordnungsabteilung. Der Karrieresprung wirft Fragen auf.

Seine Bestellung passierte leise. Zu leise irgendwie. Handelt es sich doch um keinen Unbekannten, der da im Herbst vergangenen Jahres mit der Abteilung für Raumordnung und Statistik eine Schlüsselstelle der Landesverwaltung und der Landesentwicklung übernahm. Noch dazu, nachdem er nicht einmal zwei Jahre im Landesdienst tätig gewesen war. Auch in zurückhaltendsten Medien ist das üblicherweise mehr als einen Vierzeiler wert. Christoph Platzgummer, ehemaliger Magistratsdirektor der Landeshauptstadt, der 2006 Innsbrucker Vizebürgermeister wurde und im Frühjahr 2009 teils wegen des Millionen-Desasters bei der EURO, teils wohl auch aufgrund gerüchteweise stets kolportierter Intrigenspiele zurückgetreten und von Landeshauptmann Günther Platter großzügig in einem Büro für Zukunftsfragen „aufgefangen“ worden war, trat Ende 2011 das Erbe Hofrat Franz Rauters an. Und er trat damit in Fußstapfen, die nicht so leicht auszufüllen sind. Weder fachlich noch in Bezug auf die Akzeptanz bei den Mitarbeitern der großen Abteilung.
Üblicherweise muss ein Beamter oder eine Beamtin jahrelang darauf hinarbeiten, um mit der Hofrats-Position die Spitze der Karriereleiter im Amt der Tiroler Landesregierung überhaupt anstreben zu können. In den Top-Regionen der Landesverwaltung ist die Luft recht dünn. Schon wenn aus biologischen Gründen absehbar ist, dass ein Amtsleiter-Posten frei wird, startet das Rennen, in welchem gemeinhin Erfahrung, Wissen und „amtliche Qualifikation“ wesentliche Parameter sind. Wer am Ende zum Zug kommt, entscheidet dann aber – das ist im offiziellen Bewerbungs-Regulatorium selbstverständlich nicht vermerkt – auch noch ein Quäntchen politische Unterstützung. Bei Platzgummers Quantensprung im Landesdienst wird vermutet, dass die politische Unterstützung der ausschlaggebende Parameter war. Mehr als das übliche Quäntchen. Das macht diese Postenbesetzung so sonderbar bis fragwürdig. Nicht zuletzt, weil sich mit Platzgummers Bestellung zum Raumordnungs-Chef das Zukunftsbüro des Landes, welches so großtönend ins Leben gerufen worden war, in Luft auflöste. „Mit dem Ende für das Zukunftsbüro ist Platters nächste medial hochgespielte Inszenierung geplatzt“, stellte Bürgerforum-Klubobmann Bernhard Ernst fest. „Das Zukunftsbüro ist nie über den Status eines Namens ohne Inhalt, eines Leiters und eines Büros hinausgekommen. De facto hat es Platters Zukunftsbüro nie gegeben.“
Die Opposition hatte stets ein kritisches Auge auf diese von Beginn an fragwürdige Einrichtung gerichtet. Seit Gründung des Büros stand die Vermutung im Raum, dass hier ein Versorgungsposten für Platzgummer geschaffen wurde – bis, ja, bis sich eben ein anderer Posten für ihn ergeben würde. Diese Vermutungen scheinen sich bestätigt zu haben und zum Ende des Zukunftsbüros hält Platzgummer fest: „Sämtliche Aufgaben des Zukunftsbüros wurden unter einem in die Abteilung ‚Raumordnung – Statistik‘ transferiert und dort im Fachbereich ‚Nachhaltigkeitskoordination‘ angesiedelt. Die Abteilung wurde in ‚Landesentwicklung und Zukunftsstrategie‘, der Fachbereich in ‚Zukunftsstrategie und Nachhaltigkeit‘ umbenannt.“ Da das Büro nur aus ihm, einer Sekretärin und keinem Budget bestand, dürfte der „Transfer“ nicht wirklich schwierig gewesen sein.
Im November 2011 fing Grünen-Klubobmann Georg Willi die Fragwürdigkeiten zu Platzgummers Bestellung ein und modellierte daraus eine schriftliche Anfrage an Landesrat Christian Switak. Willi fragte beispielsweise nach, wie viele Kandidaten sich für die Stelle Hofrat Franz Rauters beworben hatten oder wie Switak die Wirkung der Bestellung Platzgummers auf jene Mitarbeiter des Landes einschätze, „die sich jahrelang um ihre Besserqualifizierung bemühen und dann erleben, dass jemand nach sehr kurzer Zeit im Landesdienst eine so wichtige Stelle bekommt“. Am 20. Dezember 2011 langte die Anfragebeantwortung Switaks bei der Landtagsdirektion ein. Und die Fragen bleiben offen. Denn teils aus Unzuständigkeit, teils aus Gründen des Datenschutzes beantwortete Switak nicht eine einzige Frage im Zusammenhang mit dem Neo-Abteilungsleiter. Auch nicht die letzte des Fragenkatalogs, die da lautete: „Was unternehmen Sie, um dem Eindruck politisch motivierter Stellenbesetzungen entgegenzuwirken?“ Dieser Eindruck darf unkommentiert von politischer Seite weiter bestehen. Und nicht nur dem Amt, sondern auch Christoph Platzgummer schaden. 

Donnerstag, den 02. Februar 2012 um 13:57 Uhr

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