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IfM 0110
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Der rechte Büroleiter

Fragwürdig. In einer Publikation, die Bernd Huber, Büroleiter von Salzburgs Vizebürgermeister Harald Preuner, gemeinsam mit Herbert Hodurek veröffentlicht hat, werden NS-Propagandisten zitiert.
Außerdem rühmt sich Hodurek ein Freund Ferdinand Schörners gewesen zu sein. Schörner galt als der brutalste von Hitlers Feldmarschällen.

Bernd Hubers Beruf besteht hauptsächlich darin, zu kommunizieren. Als Büroleiter des Salzburger Vizebürgermeisters versendet er reihenweise Presseaussendungen und fungiert als Sprachrohr, wenn Harald Preuner etwas mitzuteilen hat. Weniger Transparenz an den Tag legt der Büroleiter, wenn es um seine eigene Person geht. ECHO hat Bernd Huber telefonisch kontaktiert und um ein persönliches Interview gebeten. Inhaltlich sollte sich das Gespräch der Publikation „Ein kleines Edelweiß“ widmen, die der diplomierte Jurist Huber gemeinsam mit Herbert Hodurek im Jahr 1997 verfasst hat. Hodurek war im Zweiten Weltkrieg als Gebirgsjäger im Einsatz. „Vom ersten bis zum letzten Tag“, wie der Untertitel des Buches verrät. Ein persönliches Interview mit ECHO lehnte Huber ab. Im Vorwort der erwähnten Publikation schreibt er: „Die Motivation, die meinerseits hinter der geleisteten Arbeit stand, ist von folgender Absicht getragen: einerseits soll der jungen Generation verdeutlicht werden, daß (sic!) es sich bei den Soldaten der Wehrmacht überwiegend um hervorragend ausgebildete, von einer hohen Moral geleitete Soldaten handelt, die abseits der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes standen, daher in Sieg und Niederlage ihre Ehre zu wahren wussten und die die schäbige und herabsetzende Behandlung der heutigen Zeit, die letztlich eine zeitgeistorientierte Geschichtsfälschung zur Folge hat, in keinster Weise verdienen. Andererseits ging es darum, Kriegserleben und Gefechtsbeispiele festzuhalten und daraus für die heutige Ausbildung der Soldaten Nutzen zu ziehen.“
 
NS-PROPAGANDISTEN. Die Idee zum Buch „Ein kleines Edelweiß“ entstand bei einem Vortrag, den Oberstleutnant a.D. Herbert Hodurek auf Einladung der Offiziersgesellschaft Salzburg im Jahr 1995 hielt. „Dieser Vortrag war Anlaß (sic!) vieler Telefonate, in denen ich Oberstleutnant Hodurek bestürmte, mir doch seine Erlebnisse so zu erzählen, daß (sic!) ich diese zu Papier bringen könnte. Mein Drängen hatte schließlich Erfolg und so begannen wir in abendlichen stundenlangen Sitzungen mit der Niederschrift der Erlebnisse“, so Bernd Huber im Vorwort der Publikation. Das Ergebnis sind gut 140 Seiten, auf welchen beschrieben wird, wie Herbert Hodurek den Zweiten Weltkrieg erlebt hat.
Laut ECHO-Recherchen ergeben dabei mehrere Passagen ein äußerst fragwürdiges Bild. Etwa wird direkt nach dem Vorwort von Huber ein Zitat des NS-Propagandisten Joseph Hieß angeführt (siehe Faksimile). Gerhard Schuhmann, ebenfalls ein wirkungsvoller Propagandist der NS-Zeit und Kulturfunktionär der Nationalsozialisten, wird an anderer Stelle zitiert. „Die angeführten Zitate wurden nicht von mir in den Text eingebracht. Da es zum Zeitpunkt der Abfassung noch nicht die Möglichkeit des Internet gab, war es auf kurzem Weg nicht möglich, eine Überprüfung durchzuführen. Die ungeprüfte Übernahme war sicherlich ein Fehler und wäre mit heutigem Kenntnisstand unterblieben“, schreibt Bernd Huber in einem E-Mail an ECHO. Nachdem sich der Büroleiter des Vizebürgermeisters zu keinem Gespräch bereit erklärt hatte, übersandte ECHO einen Fragenkatalog an Bernd Huber. „Zu Ihren Fragen darf ich festhalten, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass ich mich in der Vergangenheit um es vereinfacht zu sagen ‚zu wenig sensibel und falsch‘ verhalten habe, was ich zutiefst bedaure. Ich habe dafür insgesamt einen sehr hohen Preis bezahlt“, schreibt Huber.

OBERBEFEHLSHABER SCHÖRNER. Er vermerkt in der E-Mail an ECHO noch, „dass es sich bei diesem Buch nicht um meine originäre Schöpfung handelt, sondern um die Lebenserzählung des Koautors, deren Absicht nicht in einer umfassenden historischen Würdigung problematischer Persönlichkeiten bestand, sondern lediglich darin, eigene Erfahrungen wiederzugeben. Da Herr Hodurek bereits 2003 verstorben ist, kann er leider dazu nicht mehr befragt werden.“ In „Ein kleines Edelweiß“ findet sich auch ein Abschnitt mit dem Titel „Persönliche Erinnerungen an Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner“. Bei Schörner handelt es sich um jenen Mann, den Adolf Hitler am 30. April 1945 in seinem politischen Testament zum Oberbefehlshaber des Heeres machte. Der „blutige Ferdinand“, wie er auch genannt wurde, galt als „der brutalste von Hitlers Feldmarschällen“, ist bei Historiker Mark Mazower nachzulesen. Wie grausam Ferdinand Schörner gegen „Deserteure“ vorging, verdeutlicht ein Tagebucheintrag von Joseph Goebbels vom 12. März 1945: „Der Führer ist auch der Meinung, dass Schörner einer unserer hervorragendsten Heerführer ist. (...) Es sei Schörner gelungen, die Front in seinem Kampfraum im wesentlichen (sic!) zu stabilisieren. Auf ihn sei es zurückzuführen, dass die Moral der Truppe dort so hervorragend gehoben worden sei. Ich berichte dem Führer von den radikalen Methoden, die Schörner zur Erreichung dieses Zieles anwendet. Deserteure finden bei ihm keine Gnade. Sie werden am nächsten Baum aufgeknüpft, und ihnen wird ein Schild um den Hals gehängt mit der Aufschrift: ́Ich bin ein Deserteur. Ich habe mich geweigert, deutsche Frauen und Kinder zu beschützen und bin deshalb aufgehängt worden. Solche Methoden wirken natürlich. Jedenfalls weiss (sic!) der Soldat im Kampfraum Schörners, dass er vorne sterben kann und hinten sterben muss.“
Angesichts dieser grausamen Vorgehensweise scheint es umso erstaunlicher, dass sich Bernd Hubers Koautor Herbert Hodurek in „Ein kleines Edelweiß“ folgend äußert: „Nach dem Krieg war ich sehr oft mit Generalfeldmarschall Schörner zusammen und es hat sich nach und nach eine sehr gute persönliche Freundschaft entwickelt. In den vielen Gesprächen und Briefen hat er mir sehr viel über sein Leben, seine Einsätze und seine zehnjährige Gefangenschaft erzählt.“
Erschienen ist die Publikation von Bernd Huber und Herbert Hodurek im österreichischen Milizverlag, der seinen Sitz in Salzburg hat. Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ veröffentlichte, vertreibt der österreichische Milizverlag revisionistische Literatur. Der Autor Erwin Pitsch versucht beispielsweise in einer Herausgabe den hingerichteten NS-Kriegsverbrecher Alexander Löhr in einem positiven Licht darzustellen. Löhr ließ Belgrad 1941 ohne Kriegserklärung bombardieren. Dabei starben 17.000 Menschen. „Ein klassischeres Kriegsverbrechen gibt es nicht“, so der Historiker Walter Manoschek von der Universität Wien.
ECHO hat bei Salzburgs wichtigsten Stadtpolitikern sowie bei ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer nachgefragt, wie sie es bewerten, dass Bernd Huber und Herbert Hodurek NS-Propagandisten zitieren. Ebenfalls von Interesse gewesen wäre eine Antwort auf die Frage: „Wie bewerten Sie, dass Herbert Hodurek, Koautor des ÖVP-Büroleiters Bernd Huber, ein ‚persönlicher Freund‘ Schörners gewesen ist?“ Die Auskunftsbereitschaft der Befragten hielt sich in Grenzen.
„Mag. Huber ist Büroleiter von Bürgermeister-Stellvertreter Preuner. Ich darf ersuchen, dass Sie die Angelegenheit direkt mit Herrn Huber beziehungsweise mit Bürgermeister-Stellvertreter Preuner klären“, so die Antwort aus dem Büro von Wilfried Haslauer. Ähnliches ist aus dem Büro von Bürgermeister Heinz Schaden zu vernehmen: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich darf Sie jedoch bitten, sich in dieser Angelegenheit an Vizebürgermeister Harald Preuner zu wenden.“ Harald Preuner schließlich hat für ECHO folgende Antwort parat: „Ich verweise auf das von Mag. Huber an Sie ergangene Schreiben, das ihre Fragen beantwortet.“ ECHO hat aus dem genannten Schreiben zitiert. Ein druckfähiges Foto von Bernd Huber war ebenso wenig zu erhalten wie inhaltlich fundierte Antworten zur Causa. „Es tut mir leid, aber ich habe in meinem Bildarchiv kein Bild gefunden“, heißt es aus dem Büro Preuner zur Anfrage nach Bildmaterial.

UNVERSTÄNDNIS. Bernd Huber hat in der Vergangenheit schon mehrmals für negative Schlagzeilen gesorgt. Im Mai 2001 schlug er in der Uniform des Bundesheeres mit seinen Fäusten auf jene Aktivisten ein, die gegen das Auftreten des Geschichtsrevisionisten Viktor Suworow an der Universität Salzburg protestierten. Im Vorjahr veröffentlichte Huber einen Nachruf auf Hajo Hermann (dieser hat unter anderem als Anwalt den Holocaust-Leugner David Irving vertreten, Anm. d. Red.), in dem er ihn als „tadellosen Soldaten, der zeitlebens ein aufrechter und gerader Mensch geblieben ist“, bezeichnete, obwohl Hermann laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands „eine zentrale Position in der rechtsextremen und neonazistischen Szene“ eingenommen hat. „Warum Vizebürgermeister Preuner an einem Mitarbeiter mit so einer Geisteshaltung festhält, ist für mich unverständlich und wirft ein eigenartiges Bild auf ihn selbst“, meinte Bürgerliste-Gemeinderat Bernhard Carl.
Ein Faible für Militarismus dürfte Bernd Huber schon während seiner Studienzeit entwickelt haben. Seine Diplomarbeit mit dem Titel „Oberbefehl, Verfügungsrecht und Befehlsgewalt über das österreichische Bundesheer“ widmete er seinen Eltern, den Angehörigen des Stabsbataillons des Militärkommandos Salzburg und der Katholischen Österreichischen Hochschulverbindung Rheno-Juvaiva. Sie gehört dem Österreichischen Cartellverband an und bekennt sich zu den vier Prinzipien Religion, Heimat, Wissenschaft und Lebensfreundschaft. „Zu meinem Weltbild kann ich nur anführen, dass dieses zutiefst christlich ist und jegliche Extremismen ablehnt“, schreibt Bernd Huber in seinem E-Mail an ECHO.

Dienstag, den 14. Februar 2012 um 12:31 Uhr

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