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Dem Bulgaren sei Dank

bosna.pngBosna-Jubiläum. Seit 60 Jahren erfreut die Bratwurst im Weißbrot
nun schon die Gaumen des nicht-vegetarischen Teils der Österreicher.
Dass aber die Ursprünge des beliebten Imbisses in der Mozartstadt
Salzburg zu finden sind, ist wohl nur wenigen bekannt.
Salzburg steht im In- und Ausland bekanntlich für Vieles: Von Mozart und den Festspielen über Sound of Music bis hin zu unseren Bergen samt weitläufigen Skigebieten - eines oder mehrere dieser Dinge nennt wohl jeder, der nach Assoziationen zu unserem Bundesland befragt wird.
Lenkt man die Aufmerksamkeit stärker in Richtung kulinarischer Spezialitäten, gerät man bereits in schwierigeres Terrain. Mozartkugeln und Salzburger Nockerl sind wohl die bekanntesten einheimischen Speisen der Landeshauptstadt, dass jedoch die wohl viel häufiger verzehrte Bosna ihre Ursprünge ebenfalls an der Salzach hat, dürfte wohl viele überraschen.
In der Tat wurde die mit Zwiebeln und Senf garnierte würzige Bratwurst im Weißbrot zum ersten Mal vor genau 60 Jahren in Salzburg zubereitet. Zanko Todoroff, ein eingewanderter Bulgare, grillte seine damals noch unter dem Namen Nadanitza geführte Bratwurst anfangs im Augustinerbräu in Mülln. Im Salzburg der Nachkriegszeit fand die an die amerikanischen Hot Dogs angelehnte Kreation Todoroffs sehr schnell großen Anklang, sodass es sich der Bosna-Pionier leisten konnte, 1950 seinen eigenen kleinen Laden - den Balkan Grill - in einem Durchgang zwischen Getreidegasse und Universitätsplatz zu eröffnen.

Zufällige Namenskreation. Die Bezeichnung Bosna entstand erst zu dieser Zeit, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der ursprüngliche Name Nadanitza den Salzburger Kunden wenig einprägsam erschien. Als sich Todoroff seinen Imbissstand schließlich beschriften lassen wollte, entschied er sich zu einer Umbenennung seines in der Mozartstadt bereits beliebten Snacks. So wurde aus der Nadanitza die Bosna. Wobei jedoch der Maler, der damals das Namensschild beschriftete, angeblich entscheidend an der Namenskreation beteiligt gewesen sein soll. So machte er aus der ursprünglichen Idee Todoroffs, das bulgarische Wort für Jause - Bosa - zu benutzen, einfach Bosna, da er den Begriff wohl auf Bosnien zurückführte. Tatsächlich gibt es dort auch einen Fluss mit diesem Namen, Todoroff hatte jedoch nichts dergleichen im Sinn. Jedoch gefiel ihm dieser Fehler des Malers laut Überlieferung so gut, dass er beschloss, seinen Imbiss in Hinkunft unter diesem Namen zu verkaufen. Ob es sich tatsächlich so zugetragen hat oder jemand der Legende nachhelfen wollte, sei dahingestellt. Fest steht, dass die Bosna in den letzten sechzig Jahren einen Siegeszug erlebt hat, der sie auch weit über die Grenzen Salzburgs hinaus bekannt und beliebt gemacht hat. Angeboten wird der Snack mit Salzburger Wurzeln mittlerweile nicht nur in den zahlreichen ganzjährig geöffneten Imbissständen der Stadt, auch auf Volksfesten wie der Dult oder Kirtagen und Brauchtumsfesten in den Landgemeinden ist die Bosna schon seit langem fixer Bestandteil des kulinarischen Angebotes.
Während sich über die Jahrzehnte zahlreiche Variationen der Bosna - von der kleinen bis zur großen Bosna, von der Seil- über die Teufelsbosna bis hin zur Käsebosna - etablieren konnten, blieben die Grundbestandteile sowie - wichtig! - das weiße Papier, mit dem der Imbiss zur Hälfte umwickelt wird, unverändert.

Probleme mit den Medien. Der nur etwa zwei Quadratmeter große Balkan Grill in der Getreidegasse erfreut sich als Pionier unter den Bosnaständen Salzburgs nach wie vor großer Beliebtheit. Probleme hatte man jedoch in letzter Zeit zum Teil mit den Medien. So war vor einigen Monaten in einer großen Zeitung zu lesen, dass die seit fast einem Viertel-Jahrhundert im Balkan Grill tätige Hildegard Ebner einen Nachfolger suche, da sie sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen wolle, Inhaber Hans Walter aber noch keinen dauerhaften Nachfolger habe finden können. Das reichte aus, um den großen Kundenstock zu verunsichern. Zu diesem Thema befragt, erklärt Frau Ebner, dass lediglich eine Arbeitskraft für drei Tage in der Woche gesucht (und mittlerweile auch gefunden) wurde, da sie selbst nach all den Jahren etwas kürzer treten wolle.
Dass in den Medien daraus eine Existenzkrise der kleinen Salzburger Institution gemacht wurde, ärgert Frau Ebner, der in der Folge sogar Übernahmeangebote für den traditionsreichen Salzburger Bosnagrill gemacht wurden. Inhaber sei jedoch seit vielen Jahren Fleischermeister Hans Walter, weshalb man sich, so Ebner, um ihre Nachfolge - wenn es dann einmal so weit sein sollte - sicherlich keine Sorgen machen müsse.

Thomas Strübler

 

Mittwoch, den 01. April 2009 um 01:00 Uhr

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