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Wolf von Schilgen

Der ehemalige Kunstflieger, Zeitungsherausgeber, Drehbuchschreiber und Schriftsteller wird heuer 95 und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Doch müde ist der „lachende Satiriker“ noch lange nicht.

ECHO: In einem Interview sagten Sie, Sie möchten mindestens 120 werden. Wollen Sie den Rekord von Johannes Heesters brechen?
Wolf von Schilgen: Ja, wobei Heesters ein schlechtes Beispiel ist, denn der wurde ja nur 108. (lacht) Richtig alt ist man nur, wenn man nichts mehr zu tun hat. Ich bin noch sehr beschäftigt und sitze viele Stunden am Computer.
ECHO: In erster Linie sind Sie als Satiriker bekannt. Ist Humor eine Altersgarantie?
Von Schilgen: Lachen verlängert das Leben. Schon der Philosoph Nietzsche hat ja gesagt: „Zehn Mal musst du lachen am Tag und heiter sein, sonst stört dich der Magen bei Nacht.“
ECHO: Welche Ratschläge können Sie sonst noch geben?
Von Schilgen: Nicht rauchen, nicht saufen, nicht übermäßig essen!
ECHO: Und der Familienzusammenhalt – wie groß ist Ihre Familie?
Von Schilgen: Ich habe drei Töchter aus erster Ehe, ein Dutzend Enkelkinder und auch schon Ururenkel. Die sind überall auf der Welt verstreut, kommen aber oft ad hoc hierher zu Besuch. Wir haben eine gute Verbindung zueinander.
ECHO: Würden Sie alles wieder so machen, wenn Sie nochmal geboren würden?
Von Schilgen: In meinem Leben ist allerhand los gewesen, ich habe es aber stets mit positiver Einstellung gesehen, denn mir war immer bewusst, dass der Mensch ein Herdentier ist, das sich um seine Herde zu kümmern hat.
ECHO: Sie waren auch Flugzeugführer während des Zweiten Weltkriegs. Wird man da politisch oder autonom?
Von Schilgen: Ich gehöre keiner Partei an. Mir sind aber alle willkommen, die das Bestmögliche für ihr Volk im Sinne haben. Auch mir ist es im Krieg trotz meiner Position und der Einsätze gelungen, niemanden zu töten. Das hatte ich mir fest vorgenommen.
ECHO: Sind Sie jemals wieder geflogen?
Von Schilgen: Ich bin vor zwei Jahren das letzte Mal geflogen und habe festgestellt, dass ich das noch ganz gut kann. Auch einen Kunstflug würde ich mir noch zutrauen.
ECHO: Wie haben Sie die gesellschaftliche Entwicklung in einem Jahrhundert erlebt?
Von Schilgen: Wenn wir von Moral sprechen, gibt es wohl kein Lebewesen, das sich so bestialisch gezeigt hat wie der Mensch. Wir haben durch unseren Verstand einen Begriff für Macht entwickelt, der leider Gottes oft in einer Katastrophe endet.
ECHO: Apropos Gott – woran glaubt man mit 95 Jahren?
Von Schilgen: Ich glaube an Gott, aber nicht an Märchen. Für mich ist Gott ein so großartiger Begriff, dass man nicht einen Mann wie Jesus einfach zu Gott machen kann. Ich unterhalte mich oft mit Geistlichen und niemand hat mir meine Einstellung je übel genommen.
ECHO: Woran arbeiten Sie derzeit?
Von Schilgen: Ich schreibe gerade an meinem zwölften Buch und halte unzählige Lesungen von Helsinki bis Athen, die mir fast kindliche Freude bereiten. Meine Frau Eva managt alle meine Termine. Im November wird es zudem eine große Lesung im WIFI geben. Weiters unterrichte ich an der PMU Salzburg das Programm „doctrina vitae“ für junge Ärzte, eine Art Lehre des Lebens.
ECHO: Ihre Wünsche an die Zukunft?
Von Schilgen: Die gleichen, die ich immer hatte. Ich möchte vor allem so gesund sein, wie die Ärzte es mir einreden.

Zur Person
Wolf von Schilgen (Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg) wurde am 28. September 1917 in Münster/Westfalen geboren. Als erfolgreicher Kunstflieger erhielt er das goldene Pilotenabzeichen des Königreichs Italien. Während des Kriegs war er Flugzeugführer der deutschen Luftwaffe, nach dem Krieg u. a. Vizepräsident des steiermärkischen Schriftsteller- und Journalistenverbands, später Chef des Mundus-Weltpressediensts und Chef des STAD („Staatspolitischer Informationsdienst“) sowie Herausgeber u. Chefredakteur verschiedener Zeitungen und Zeitschriften. Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen, u.a. seine Autobiografie „Als Deutscher geboren“, schrieb Wolf von Schilgen weit über 1000 Beiträge und Kolumnen. In Berlin verfasste er das Drehbuch „Die Station“, das mit Heinz Rühmann verfilmt wurde. Von Schilgen ist seit 1946 österreichischer Staatsbürger und lebt mit Gattin Eva in Großgmain.

Donnerstag, den 24. Mai 2012 um 15:24 Uhr

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