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Johannes Graf Walderdorff

Hoteldirektor, Konsul, Oldtimer-Fan und Salzburg-Kenner. Johannes Walderdorff wurde als Direktor des Hotels Goldener Hirsch selbst zum Prominenten. Auch im Ruhestand ist sein Terminkalender gut gefüllt. Wichtig ist ihm: Im Alter darf es keine Langeweile geben.

ECHO: Was hat sich an Ihrem Tagesrhythmus geändert?
Walderdorff: Ich stehe an sich früher auf, kümmere mich um meinen Hund und gehe früh morgens spazieren. Danach bereite ich unser Frühstück zu, für das ich mir viel Zeit nehme. Früher habe ich ja immer im Hotel gefrühstückt. Wichtig ist mir Regelmäßigkeit im Tagesablauf. Nach wie vor bin ich aber viel beschäftigt, zuweilen auch mit viel Unnötigem, wie meine Frau meint. Man darf sich im Alter auf keinen Fall langweilen, das ist wichtig. Abends gehe ich dafür früher schlafen.
ECHO: Geht Ihnen die Rolle als großer Festspielgastgeber ab?
Walderdorff: Überhaupt nicht.
ECHO: Was unterscheidet das Festspielpublikum heute zum Beispiel von jenem vor 30 Jahren?
Walderdorff: Es ist sowieso die ganze Zeit anders geworden, wie auch die Festspiele selbst anders geworden sind. Im Laufe von 50 Jahren ändert sich eben das eine oder andere. Ich glaube aber nicht, dass sich das Festspielpublikum im Wesentlichen von dem damaligen unterscheidet, weil nach wie vor eine gewisse Lust am Sich-Zeigen, am Dabeisein und zu einer bestimm­ten Elite zu gehören, vorhanden ist. Das ist bei den Jungen genauso wie bei den Alten. Hinsichtlich des musikalischen und künstlerischen Verständnisses wird sich auch nicht sehr viel geändert haben. Es gibt nach wie vor sehr viele Besucher, die keine Ahnung haben und trotzdem gerne hingehen und auch gerne darüber reden. Und nach wie vor gibt es welche, die wirklich eine Ahnung haben, vieles erlebt haben, und trotzdem immer noch gerne hingehen, weil die Aufführungen zweifellos eine gewisse Qualität haben.
ECHO: Besuchen Sie selbst Festspiel­aufführungen?
Walderdorff: Wenn ich eingeladen werde.
ECHO: Wie verbringen Sie den Sommer?
Walderdorff: Viel Wiese mähend und natürlich auch Festspiele und Freunde besuchend. Dazu laden wir in unser Haus am Gaisberg ein, wo wir immer wieder für Freunde und Künstler Essen geben. Das hat schon eine Tradition.
ECHO: Ihr größter Erfolg?
Walderdorff: Ich bin sehr verwöhnt, denn ich hab’ viele Erfolge gehabt. In Erinne­rung geblieben ist dabei sicher der Besuch von Queen Elizabeth und ihrem Mann Prinz Philip, als wir sie in Schloss Klessheim betreuen durften.
ECHO: Was ist Ihnen peinlich?
Walderdorff: Peinlich ist mir eigentlich nichts, weil ich dafür nicht spießig genug bin. Aber ärgern tut mich vieles. Zum Beispiel schlecht gesprochenes und geschriebenes Deutsch oder schlecht übersetztes Englisch. Wenn es zum Beispiel heißt „ die sozialen Netzwerke“. Ein soziales Netzwerk ist für mich die Caritas, weil „social network“ sich nicht als soziales Netzwerk übersetzen lässt.
ECHO: Sie gelten als großer Oldtimer-Fan, erzählen Sie uns davon!
Walderdorff: Ich bin früher Oldtimer-Besitzer gewesen, habe diese aber im letzten Jahr verkauft. Ich bin aber noch Präsident des Packard-Clubs, eine alte amerikanische Marke, die von vielen berühmten Filmschauspielern vor dem Krieg gefahren wurde. Dann ist mir die österreichische Marke Steyr sehr wichtig. Das waren fabelhafte und wunderschöne Autos. Jetzt gerade bin ich Mitorganisator im Team des Steyr-Registers, das alle noch fahrfähigen Steyr-Autos registriert. Dazu laden wir die Besitzer im Juni zu einem Treffen nach Schlögen in Oberösterreich ein. Ich bin auch Konsulent bei Autoversteigerungen für das Dorotheum. Das macht mir großen Spaß.
ECHO: Ihre Ziele?
Walderdorff: Überleben.

Zur Person:
Diplom-Volkswirt Johannes Graf Walderdorf wurde am 28. März 1936 in Salzburg geboren.
Er studierte Volkswirtschaft an der Universität Innsbruck und stieg danach in den elterlichen Betrieb Hotel Goldener Hirsch ein. Das Hotel wurde nach dem Tod seines Vaters 1969 verkauft. Johannes Walderdorff führte und entwickelte Salzburgs berühmteste Herberge bis zum Jahr 2003 weiter und trat danach in den Ruhestand. Nach wie vor bekleidet er das Amt des Honorarkonsuls von Malta in Österreich.


Montag, den 25. Juni 2012 um 13:50 Uhr

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