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Expansion ins Kleinformat

Moser Holding AG. Mit dem Kauf von 74,9 Prozent der Wiener Bezirkszeitung setzt Hermann Petz, CEO der Moser Holding AG, den Expansionskurs des Unternehmens fort. Noch heuer soll der Gratiszeitungsring geschlossen werden und auch für die Tiroler Tageszeitung sind Änderungen geplant: Unter anderem soll sie ab Herbst im Format der Tiroler Bezirksblätter erscheinen.

ECHO: Herr Magister Petz, Ende letzten Jahres wurde ihnen der Titel Medienmanager des Jahres, für den sie eigentlich vorgesehen gewesen wären, nicht verliehen. Die Argumentation war, Sie würden in Bezug auf Ihr Engagement bei der Oberösterreichischen Rundschau die Firmenpolitik über die Mitarbeiter und den Qualitätsjournalismus stellen. Schmerzt so ein Urteil?
Hermann Petz: Es haben verschiedene Kommentare dazu stattgefunden, teilweise von Menschen, die ich gar nicht kenne. Wir mussten in Ober­österreich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien handeln und in diesem Fall die Vorverurteilung zur Kenntnis nehmen, gegen Qualitätsjournalismus und Mitarbeiter zu sein. Das ging sogar bis zu einer Medienkampagne der Oberösterreichischen Nachrichten, bei der von „menschenverachtenden Vorgängen" die Rede war. In Wirklichkeit hat aber die gesamte Umstrukturierung unter sehr guten Rahmenbedingungen stattgefunden. Dass gewisse Privilegien, wie etwa Bezirksjournalisten mit einem Bruttogehalt von 7000 Euro, nicht aufrecht zu halten sind, musste aber klar sein. Inklusive Sozialplan und allen Abfertigungen haben wir für das gesamte Auflösungspaket in Oberösterreich, bezogen auf 110 Mitarbeiter, 7,5 Millionen Euro ausgegeben. Das ist österreichweit sicher ein Wert, der als Benchmark dienen kann. Natürlich wäre es angenehmer gewesen, wenn das alte Businessmodell weiter funktioniert hätte, aber es führte, wie die Ergebnisse zeigen, in die Sackgasse. So gab es nur zwei Möglichkeiten: einstellen oder etwas Neues machen. Bei den Vorverurteilungen hat man einige Aspekte einfach ausgeklammert, bei gesamter Betrachtung würden diese Urteile keiner Argumentation standhalten. So gesehen schmerzt eher das unjournalistische Vorverurteilen als der nicht verliehene Titel eines Fachmagazins.
ECHO: Vielleicht hat auch ihre Aussage zu Irritationen geführt, dass sich bei der Ober­österreichischen Rundschau nicht viel ändern wird. Jetzt hat man sich von 110 Mitarbeitern getrennt. Was hat in Oberösterreich zum Scheitern der ursprünglichen Pläne geführt?
Petz: Ich dachte wirklich, es wäre möglich, die Sonntagszeitung zu renovieren, eine Gratis-Wochenzeitungs-Schiene aufzubauen und die Kaufwochenzeitung, die ja nur in den ländlichen Gebieten existent war, separat zu betreiben. Die Entwicklung hat aber gezeigt, dass eine Kaufwochenzeitung allein nicht überleben kann. Es gibt ja, auch international gesehen, kaum noch regionale Kauf-Wochenzeitungen. Diese Gattung ist vom Aussterben bedroht und kommt deshalb auch bei den Kampagnen der Werbeagenturen nicht vor. Man hat hier ständigen Erklärungsbedarf, was man eigentlich will. Außerdem hat dieses regionale, eher konservative Medium sehr wenig junge Leser. Das Fazit war ein rückläufiger überregionalen Markt wodurch man auf den lokalen Markt ausweichen musste. Hier gab es mit der Gratis-Wochenzeitung Tips zu starke Konkurrenz und es kam zu einer strategischen Patt-Situation. Man hätte dies früher sehen können, aber es kann einen - um Adenauer frei zu zitieren - nichts hindern, über Nacht klüger zu werden. Es tut mir aber um jeden einzelnen Arbeitsplatz leid. Das sagt vielleicht jeder, aber Sie können mir glauben, dass ich das so meine.
ECHO: Im Dezember haben Sie sich von Chefredakteur Frank Staud getrennt. Angesichts des arbeitsintensiven Jahres, das auf Sie zukommt, eine Entscheidung, die überrascht hat. War es ein kluger Schachzug, gerade jetzt einen vernetzten Chefredakteur auszutauschen? Noch dazu, da er seinen Vertrag erst vor knapp einem Jahr verlängert hat?
Petz: Sie haben sicher nicht damit gerechnet, dass ich Ihnen einen Argumentenkatalog vorlegen werde, in dem steht, warum ich mich vom Chefredakteur getrennt habe. Ich kann dazu nur sagen: Es hat alles seine Zeit und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich bei allem sorgsam überlege. Wir werden auf jeden Fall auch in Zukunft gut gerüstet sein.
ECHO: Hat die Kritik von Frank Staud am Expansionskurs und dem Engagement der Moser Holding in Oberösterreich zu seinem überraschenden Ende beigetragen? Mit anderen Worte: Hat Staud den Machtkampf gegen Sie verloren?
Petz: Ich bin dem Aufsichtsrat der Moser Holding AG verantwortlich und der Aufsichtsratsvorsitzende ist gleichzeitig der Vertreter aller Aktien der Familie Moser. Das heißt, was immer intern oder extern darüber geredet wird, wer mit wem zufrieden ist, hat für mich deshalb keine Relevanz. Ich kann nur soviel sagen, dass der Chefredakteur der Tiroler Tageszeitung keine Zuständigkeit für Oberösterreich hat.
ECHO: In Kreisen von Landesrat Steixner wird erzählt, Staud hätte auch auf Druck von Steixner gehen müssen, da er die Wenner ­Affäre massiv gespielt hat. Hat der Bauernbund einen so großen Einfluss auf die TT?
Petz: Wann immer der Chefredakteur einer Tageszeitung gewechselt wird, wird es Verschwörungstheorien geben. Ich kann aber ausschließen, dass ich mich politisch in irgendeiner Art und Weise instrumentalisieren lasse, auch nicht, wenn es um personelle Veränderungen geht. Es hat einen einstimmigen Aufsichtsrats-Beschluss gegeben und deshalb kann ich mir vorstellen, dass meine dort vorgebrachten Argumente, die für einen Wechsel gesprochen haben, insgesamt klar und stichhaltig waren.
ECHO: Angesichts der Wirtschaftskrise sprechen Sie von der Notwendigkeit, Einsparungen vorzunehmen. Ist die Umstellung auf das Kleinformat, die in Bälde kommen soll, auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit? Was erhofft man sich von dieser Umstellung? Wieder mehr Leser?
Petz: Die notwendigen wirtschaftlichen Maßnahmen, um in Krisenzeiten keine Probleme zu bekommen, habe ich vor einem Jahr eingeleitet und es ist ein schöner Betrag, den wir dadurch eingespart haben. Wenn man die Anzeichen richtig gedeutet hat, war es ersichtlich, dass ein konjunktureller Einbruch kommt, wenn man ihn auch nicht in diesem Maß erwarten konnte. Trotzdem mussten die Hausaufgaben erledigt werden. Von wirtschaftlicher Notwendigkeit einer Format­umstellung kann also keine Rede sein, auch einen Umsatzrückgang im heurigen Jahr von zehn Prozent könnten wir ohne Probleme bewältigen. Aber es stimmt: Wir diskutieren eine Umstellung, jedoch weder aus wirtschaftlichen Gründen, noch weil wir zu wenige Leser haben. Sicherlich hat das dritte und vierte Quartal 2007 nicht zu unseren Highlights gehört, man darf sich deshalb aber nicht an einer Formatfrage aufhängen. Eines kann man aber nicht leugnen: Die Tagesprintmedien stehen unter Druck und man muss sich überlegen, wie ein Medium auszusehen hat, das in Zukunft Bestand haben will. Die großformatigen amerikanischen Printmedien, die hunderte von Seiten in die Haushalte liefern, haben jetzt gezeigt, wie es nicht geht. Dieses Festhalten an einem Retro-Stil steht nun in krassem Gegensatz zum Erfolg von Gratis-Tageszeitungen. Das Printmedium an sich ist also nicht tot, auch nicht für junge Menschen, nur muss es sich der Zeit anpassen, sowohl im Inhalt als auch im Format. Würde man - als Gedankenexperiment - die Tiroler Tageszeitung heute gründen, hätte ich nur wenige Argumente gefunden, die gegen das Kleinformat sprechen.
ECHO: Die Umstellung Kleinformat ist ja eine fundamentale Veränderung der TT. Wie sehen das die Erben von Stefan Moser? Werden sie bei so fundamentalen Entscheidungen einbezogen oder entscheidet das der Vertreter der Familie, Dr. Buob?
Petz: Es ist nicht meine Aufgabe zu entscheiden, wie sich der Vertreter der Eigentümerfamilie mit dieser abstimmt. Es gibt ein klares Prozedere: Der Vorstand der Moser Holding hat viermal im Jahr eine Aufsichtsratssitzung und bei dieser gibt es Anträge, denen der Aufsichtsrat zustimmt oder nicht. Hier sitzen vier sehr honorige Persönlichkeiten mit viel Erfahrung, die nach Abwägen aller Argumente die Entscheidungen treffen. Auch in dieser Frage.
ECHO: Studien zeigen, dass für Leser vor allem Lokales und Chronik wichtig ist. Soll die neue Linie der TT wieder mehr in diese Richtung gehen?
Petz: Das ist tatsächlich ein Ergebnis aller Untersuchungen, wobei Lokales sich auf das direkte Lebensumfeld bezieht. 95 Prozent der Menschen bewegen sich 95 Prozent der Zeit in einem Lebensumkreis von 25 Kilometern und es geht darum, große Themenbereiche wie Sicherheit, Erziehung, Gesundheit usw. auf dieses lokale Umfeld herunterzubrechen.
ECHO: Diese lokale Berichterstattung ist aber Kernpunkt der Bezirksblätter. Wird man sich hier nicht kannibalisieren?
Petz: Die Tiefe der Berichterstattung, in die die Bezirksblätter gehen können, ist für eine Tageszeitung schwierig zu erreichen. Wichtig ist aber, dass man keine Gattung auf irgendeine Weise beschränkt, nur weil sie zum gleichen Medienunternehmen gehört. Wenn Untersuchungen zeigen, dass eine Lokalisierung bzw. Regionalisierung gefragt ist, darf man es nicht einem Medium erlauben und dem anderen verbieten, sich danach zu richten. Das muss man getrennt sehen. Damit belebt man auch den Wettbewerb.
ECHO: Könnte man nicht davon ausgehen, dass Sie angesichts der Entwicklungen in der Moser Holding - Kleinformat angedacht, Umsetzen des Gratiszeitungsrings - über diese Struktur das machen, wovor man sich im deutschsprachigen Raum schon lange fürchtet: die Gratis-Tageszeitung?
Petz: Nein, eine wöchentliche Gratis-Bezirkszeitung hat mit einer Gratis-Tageszeitung nichts zu tun. Das sind völlig getrennte Business-Modelle.
ECHO: Die Zusammenarbeit mit der Styria würde ja noch mehr Synergien zulassen, als dies schon bei der TT am Sonntag sichtbar ist. Man könnte die einzelnen Medien bei vielen Bereichen zentral beliefern und könnte sich dann auf Lokalredaktionen konzentrieren. Ist so etwas angedacht?
Petz: Es gibt Bereiche, wo ich das nicht für sinnvoll erachte, da es bei vielen Themen notwendig ist, sie auf das jeweilige Bundesland herunterzubrechen. Von dem her wird es nicht funktionieren, dass jemand für ganz Österreich Seiten gestaltet. Das heißt aber nicht, dass man nicht Synergien nutzen soll. Denn eines sollte die Wirtschaftkrise mit sich bringen: das Nachdenken, ob es nicht sinnvoller ist, etwas gemeinsam zu machen, wenn zwei schon das Gleiche machen. Das ist nichts anderes als eine Renaissance des genossenschaftlichen Gedankens. Die regio­nale Differenzierung muss auf jeden Fall beibehalten werden, aber das „Alles-Selber-machen" gehört sicher kritisch geprüft.
ECHO: Die Strategie war bisher immer, strategische Partner zu nehmen, jetzt wurde mit der oberösterreichischen Raiffeisenbank erstmals ein Finanzpartner mit ins Boot geholt. Warum hat sich die strategische Ausrichtung geändert?
Petz: Wir haben die Strategie nicht verlassen, denn auf der anderen Seite konnten wir dadurch 100 Prozent der oberösterreichischen Rundschau erwerben. Das Unternehmen hat sich zu einer Expansionsstrategie bekannt, und dabei muss man wissen, mit wie viel Eigen- und wie viel Fremdkapital man diese Expansion finanziert. Natürlich achte ich dabei auf ein sinnvolles Verhältnis. Wenn wir Expansionsmöglichkeiten vorfinden, brauchen wir auch Eigenkapital und das kann ja nur aus zwei Quellen kommen. Entweder aus der Innenfinanzierung mittels bestehender, nicht ausgeschütteter Gewinne oder der Finanzierung über eine Kapitalerhöhung. Die Eigenkapital-Fremdkapital-Quote soll eben entsprechend sein, deshalb diese strategischen Überlegungen.
ECHO: In wieweit sind für die strategische Ausrichtung der Expansion die Berater der Moser Holding, etwa ein Ex-Innenminister Ernst Strasser oder Ex-Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle, noch tätig?
Petz: Die Beraterverträge sind nach wie vor aufrecht und es werden in Absprache die geeignetsten Tätigkeitsfelder gesucht, um hier entsprechende Gegenleistungen zu bekommen.
ECHO: Sie verbringen derzeit, auch aufgrund des Kaufs der Wiener Bezirkszeitung, die meiste Zeit in Wien, haben dort auch einen Wohnsitz. Werden Sie irgendwann die Zentrale der MOHO nach Wien verlagern?
Petz: Je mehr wir national tätig sein werden, umso eher wird es eine Zentrale der Moser Holding in Wien geben. Wir werden aber viele Kompetenzzentren in den Regionen halten, insbesondere in Tirol. Ich kann ohne Weiteres ein Headquarter in Wien haben, aber die Administration in Innsbruck machen. In Österreich gibt es für viele sicher einen starken Drang, nach Wien zu ziehen, was wir aber verfolgen, ist das regionale Konzept der Kompetenzzentren.
ECHO: Anstelle der obligatorischen Abschlussfrage, wo Sie sich in fünf Jahren sehen: Über welche Themen werden wir bei unserem nächsten Interview in einem Jahr sprechen?
Petz: 2009 ist vieles möglich, unter Umständen reden wir nächstes Jahr auch wieder über die gleichen Themen. Vielleicht ergeben sich durch die Strukturkrise aber österreichweit in der Medienlandschaft Änderungen. Interessant wird sicher der Gratis-Wochenzeitungs-Ring und die notwendige kartellrechtliche Genehmigung für Wien. Was wir aber sicher besprechen können, ist, wie gut unsere Strategie in Oberösterreich und hinsichtlich des Wochenzeitungs-Rings gewesen sein wird. Außerdem bin ich überzeugt: Das heurige Jahr wird nicht so heiß gegessen werden, wie es jetzt gekocht wird.
Interview: Armin Muigg

Sonntag, den 01. Februar 2009 um 01:00 Uhr

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