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„Ich folge meiner Intuition“

Newcomerin. Miriam Fussenegger ist die neue Buhlschaft bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Im ECHO-Interview offenbart die Schauspielerin aus Oberösterreich erfrischend geerdete Charakterzüge, wobei die Frage nach der Farbe des Kleides wieder einmal nur ein „netter Versuch“ war. 

ECHO: Als zweitjüngste Buhlschaft der Geschichte haben Sie Ihre erste medienwirksame Rolle ergattert. Haben Sie Ehrfurcht vor der Faszination dieser – wie Präsidentin Helga Rabl-Stadler meinte – doch eher kleinen Rolle?

Miriam Fussenegger: Ich gehe intuitiv an das Ganze heran, folge dem, was sich richtig und gut anfühlt. Ehrfurcht macht so starr und unflexibel, ich glaube nicht, dass dieser Zustand förderlich wäre. Aber natürlich ist eine gehörige Portion Aufregung dabei!

ECHO: Im Kreise der Buhlschaften – wie legen Sie die Rolle an? Weiblich verführerisch à la Ferres, burschikos androgyn a la Sophie Rois, verspielt mädchenhaft à la Hobmeier? Oder vielseitig?

Fussenegger: Vielseitig ist gut. Das hält vieles offen, zusätzlich will ich nicht kategorisieren, das wäre zu eindimensional.

ECHO: Welche Buhlschaft haben Sie persönlich am meisten bewundert?

Fussenegger: Ich finde, jede Buhlschaft hat dieser Rolle bisher eine eigene Note verliehen. Darum geht es. Aber ich persönlich bin ein Fan von Birgit Minichmayr – nicht nur als Buhlschaft.

ECHO: Sie haben ja zunächst gezögert – was hat Sie schließlich dazu bewogen, die Rolle anzunehmen? 

Fussenegger: Es wurde Anfang August während der Endproben zu Mackie Messer erwähnt, dass man mich als Buhlschaft andenkt. Die fixe Zusage kam später. Ich hab mich dann mit Freunden und Familie ausgetauscht, die mich alle bestärkt und gesagt haben: ‚Mach das!‘.

ECHO: Nun gibt es zwischen TV und Theater ja große Unterschiede – wo liegt die Herausforderung im Theater für Sie? 

Fussenegger: Das Spiel für die Kamera ist sehr intim, manchmal körperlich reduziert. Ich mag, dass die Kamera mein Partner ist, da entsteht durchaus auch eine Beziehung, die ist nicht starr und leblos. Im Theater genieße ich den direkten Austausch mit dem Publikum und das körperlich und stimmlich Uneingeschränktere. Leise und laut. Es ist nicht vergleichbar und das ist bereichernd.

ECHO: Viele Kolleginnen und Kollegen  ‚landen‘ bei kleinen Rollen in Telenovelas – könnten Sie sich auch das vorstellen?

Fussenegger: Bei solchen Formaten muss man in kürzester Zeit enorm viel produzieren, ich denke nicht, dass ich das durchhalten würde, geschweige denn, so meinen Ansprüchen gerecht werden könnte.

ECHO: Die Rolle der Buhlschaft erfordert aber auch Durchhaltevermögen hin­sichtlich Stimmvolumen, Hitze, Dimension des Domplatzes, schwerer Kostüme und einem eingespielten Team – wie sehen Sie dem entgegen?

Fussenegger: Ich bin tatsächlich gespannt, wie ich auf die teils enormen Temperaturen am Domplatz reagieren werde. Das ist das einzige, worauf ich mich nicht vorbereiten kann. Ich bin nicht übermäßig hitzeempfindlich, aber sollte es dieses Jahr keine 40 Grad kriegen, bin ich nicht beleidigt.

ECHO: Hatten Sie sich schon zuvor mit dem Jedermann beschäftigt und sehen Sie das Stück noch zeitgemäß?

Fussenegger: Ich hatte eine Phase während meiner Schulzeit, in der ich mich intensiver mit dem Stück auseinander gesetzt habe. Damals schlummerten schon Schauspielambitionen in mir, dieser Mythos ‚Jedermann‘ hat in mir eine kindliche Faszination ausgelöst. 

Das Stück hat mich ein bisschen an ein Märchen, eine Sage erinnert und auch die Themen, die verhandelt werden, finde ich nach wie vor zeitlos: Die eigene Endlichkeit, das Überdenken der eigenen Lebensführung, die Läuterung. 

ECHO: War Ihr kurzes Psychologiestudium auch auf dem Weg ins Schauspielfach hilfreich? 

Fussenegger: Ich finde Psychologie als Fach und auch angewandt nach wie vor sehr spannend, aber direkt hilfreich war das Studium für meinen weiteren Werdegang nicht. Da waren wohl eher mein Interesse für zwischenmenschliche Abläufe und meine Veranlagung, Stimmungen sehr schnell und stark aufzunehmen, von Vorteil. Auch der Rückzug in die Natur, speziell an Orte, wo ich meine Wurzeln spüre, hat etwas sehr Erdendes. Daraus beziehe ich Inspiration und auch eine gewisse Rohheit und urtümliche Wildheit, die meiner Fantasie und meinem Schaffen zugute kommen.

ECHO:  Nun ist die Schauspielerei ja eine eigene Welt, man ist meist ‚unter sich‘. Pflegen Sie auch Freundschaften außerhalb des Theaters? 

Fussenegger: Ja! Zum Glück. Ich würde mich nicht nur in der Blase ‚Theater‘ oder ‚Film‘ bewegen wollen. Abstand kann manchmal sehr förderlich sein.

ECHO:  Das Max-Reinhardt Seminar gilt als ‚härteste Prüfung Wiens – wie haben SIE es geschafft, dort aufgenommen zu werden?

Fussenegger: Ich war gut vorbereitet und entspannt, da ich bereits an einer anderen Schauspielschule in Deutschland angenommen war. Ich hatte null Erwartungen und beinahe eine gewisse rotzige Abwehrhaltung, weil mir das alles so unrealistisch erschien. Dann hat‘s geklappt.

ECHO: Warum haben Sie sich für die Schauspielerei entschieden? 

Fussenegger: Die Arbeit stillt meinen Hunger nach kreativem Ausdruck. Ich mag es, mich mit diversen Themen zu beschäftigen, die mich vorrangig weniger interessiert hätten, die dann aber durch die Beschäftigung mit dem Stück oder der Rolle an Bedeutung gewinnen. Oder mir Sprachen, Dialekte, Fähigkeiten für ein Projekt anzueignen. Man lernt konstant. 

Das mag etwas pathetisch klingen, aber ich darf im Prinzip immer wieder in eine andere Haut schlüpfen, durch andere Augen sehen.

ECHO:  Blick in die Zukunft – welche Rolle würden Sie gerne noch spielen?  

Fussenegger: Zur Zeit faszinieren mich unter anderem die klassischen Frauenfiguren: Schillers ‚Maria Stuart‘, die ‚Kriemhild‘ aus den Nibelungen, ‚Elektra‘. Diese weibliche Kraft und Wut imponieren mir.

INTERVIEW: Gerti Krawanja

Dienstag, den 09. August 2016 um 10:05 Uhr

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