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Ausbau Mönchsgerage

„Wir wollen die Altstadt am Leben erhalten“ 

Interview. Alfred Denk, Chef der Parkgaragen-gesellschaft in der Stadt Salzburg, über den Ausbauder Mönchsberggarage. 

Seit 2012 die Pläne zum Ausbau vorgestellt wurden, ist ein politischer Machtkampf entbrannt. Das 25-Millionen-Euro-Projekt, das sich in 15 bis 20 Jahren amortisieren würde, verzögert sich seither von Jahr zu Jahr. SPÖ und ÖVP treiben das Projekt voran. Auch viele Salzburger Geschäftsleute sprechen sich für eine Erweiterung aus. Die Bürgerliste in der Stadt und die Grünen auf Landesebene sind ebenso wie eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau.

Um 654 Stellplätze soll die Garage im Mönchsberg erweitert werden. Dazu benötigt

wird eine Flächenwidmungsplanänderung. Und die muss vom Land als „Oberbehörde“ abgesegnet werden. Zuständig ist das Ressort von Grünen-Chefin und Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler. Das Land als Aufsichtsbehörde hat diese Umwidmung jedoch nicht genehmigt.

ECHO: Wie die Dinge derzeit stehen: Wann rechnen Sie mit dem frühestmöglichen Start des Ausbaus der Mönchsberggarage?

Alfred Denk: Mitte Juli diesen Jahres. Wir haben grundsätzlich alle Voraussetzungen geschaffen, um mit dem Bau beginnen zu können. Jetzt hängt es an dem Flächenwidmungsplan, den Frau Rössler beeinsprucht hat. Die Stadt Salzburg wiederum hat gegen den Bescheid von Frau Rössler berufen. Und das zweite ist, das Umweltverträglichkeitsverfahren (UVP-Verfahren, Anm. d. Red.) das auch auf Wunsch von Frau Rössler neu aufgerollt wurde.

ECHO: Befürworter des Garagenausbaus werfen Frau Rössler eine Verzögerungstaktik vor.

Denk: Die beiden Verfahren müssen erst abgeschlossen werden. Ich kann nicht einschätzen, wie schnell die Flächenwidmungsangelegenheit beim Landesverwaltungsgerichtshof und das UVP-Verfahren beim Land abgeschlossen werden können. Bei beidem glauben wir, dass es sich um eine Verzögerungstaktik handelt, weil in beiden Themenbereichen Argumente gekommen sind, die nicht wahr sind.

ECHO: Ein Kritikpunkt von Frau Rössler lautet: Wenn eine Parkgarage erweitert wird, muss an der Oberfläche laut Räumlichem Entwicklungskonzept die Anzahl der Stellplätze um eine adäquate Anzahl reduziert werden. 

Denk: Es ist ja eine Erfindung von Frau Rössler, dass adäquat eins zu eins heißt. Es steht nirgends geschrieben, dass an der Oberfläche exakt gleich viele Stellplätze verschwinden müssen, wie unterirdisch geschaffen werden. Beim Bau der Garage bei den Barmherzigen Brüdern wurden an der Oberfläche gar keine Parkplätze aufgelassen. Erst später, als die Genehmigung für die Garage schon gegeben war, ist der Kajetanerplatz fast autofrei gemacht worden. Im Räumlichen Entwicklungskonzept heißt es lediglich, dass adäquat Stellplätze entfernt werden müssen. Wenn die Verfahren einmal abgeschlossen sind, wird man weitersehen.

ECHO: Was spricht Ihrer Meinung nach für die Erweiterung der Mönchsberggarage? 

Denk: Der Bau der Garage ist unbedingt notwendig, um die Salzburger Altstadt am Leben zu erhalten. Viele Geschäfte verschwinden bereits. Wenn das so weitergeht kennt man die Stadt in ein paar Jahren nicht mehr. Aber sie lebt von den Geschäften, von der Gastronomie, von der Kultur und von Veranstaltungen. Es gibt einfach eine Klientel, die mit dem Auto fahren will und muss. Ich bin davon überzeugt, dass der öffentliche Verkehr genauso seine Berechtigung hat, aber es muss ein Miteinander zwischen diesem öffentlichen Verkehr und dem Autoverkehr geben. Uns geht es ja auch darum, dass der Verkehr im Berg verschwindet.

Dass die Mönchsberggarage sehr oft voll ist, ist ein weiteres Argument für den Ausbau. Über die letzten Jahre gesehen, war die Garage im Schnitt an 120 Tagen pro Jahr voll ausgelastet. Mit Ausnahme des Jahres 2015, als das Neutor wegen Bauarbeiten gesperrt war. Von den derzeit 1.300 Stellplätzen haben wir 750 Dauerparkkarten vergeben. Wir sind ganz klar die Garage der Salzburger. Ja, es gibt sogar eine lange Warteliste bei den Dauerparktickets. Zudem gibt es viele Leute, die in der Stadt arbeiten. Der Kellner, der um zwei Uhr Morgens seine Arbeit beendet, wird kein passendes öffentliches Verkehrsmittel mehr finden. Im Sommer müssten wir 600 Stellplätze für Festspielbesucher freihalten. Bei 1.300 Stellplätzen und 750 Dauerparkern geht diese Rechnung nicht mehr auf.

ECHO: Es gibt Anwohner, die kritisieren, der Ausbau der Garage würde mehr Staus verursachen.

Denk: Die Baumaßnahmen würden den Stau hundertprozentig verringern, weil dann ja an Tagen, an welchen die Garage voll ist, der Parkplatzsuchverkehr wegfällt. Zu der Kritik der Anwohner gibt es eine ganz interessante Kennzahl. Innerhalb des Salzburger Autobahnringes, also in und rund um die Stadt Salzburg, werden täglich durchschnittlich 1.470.000 Kilometer gefahren. Bei einer Erweiterung der Garage würde sich diese riesige Zahl um nur 3.000 Kilometer am Tag vergrößern. Das wäre eine Steigerung um lediglich 0,02 Prozent. Man darf nicht allein die absoluten Autos pro Tag zählen, sondern man muss größer denken und einmal das Gesamtbild sehen. Dann kann man darüber diskutieren, was verträglich ist und was nicht.

ECHO: Wie sehen die Salzburger Geschäftsleute die Situation?

Denk: Die sind alle sauer, weil es noch keine Erweiterung gibt. Ich werde täglich gefragt, wann der Ausbau beginnt. Mit ist auch nicht ganz klar, warum es beim Umweltverträglichkeitsverfahren einen Einspruch durch den Umweltanwalt Herrn Wiener gegeben hat. Nur weil wir die Baustelle unterirdisch um ein paar Meter verschoben haben, hat sich doch an der Oberfläche nichts verändert. Es geht doch darum, Fauna und Flora zu schützen. Aber die gibt es unterirdisch ja nicht. Wir verfügen über ein 180 Seiten langes ökologisches Gutachten, das aufzeigt, was wir am Krauthügel bezüglich der Natur alles verbessert haben. Und das wird nun bekämpft. Das einzige, worum es mir geht, ist die Altstadt am Leben zu erhalten.

Interview: Christian Granbacher
Dienstag, den 02. Mai 2017 um 06:54 Uhr

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