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Flexible Bildung

Lernen im Jahr 2018. Traditionelles Lernen war einmal. Heute erlangt man sein Wissen über Seminare – online und offline – und zahlreiche Medien. Das bringt zahlreiche Vorteile mit sich, aber auch ein paar bedeutende Nachteile.

Wer Karriere machen will, muss sich ständig weiterbilden. Eine Binsenweisheit, die vor allem in der schnelllebigen und digital geprägten Welt zum Tragen kommt. Dementsprechend groß sind heutzutage auch die Möglichkeiten, sich individuell fortzubilden. In den

eigenen vier Wänden kann man sich online schlau machen oder von Coaches via Videokonferenzen Neues lernen. Auch der Bedarf an qualifizierter individueller Unterstützung im privaten und beruflichen Bereich wird immer größer. Dieser Tendenz tragen verschiedene Ausbildner mit innovativen Projekten in sozialen und beratenden Berufen Rechnung.

RHETORISCH SICHER
Gabriel Schandl, Vortragsredner, Unternehmensberater und Geschäftsführer der Speaker GmbH in Oberndorf beispielsweise bietet professionelle und hochqualitative „Train the Trainer“-Seminare an. Diese Ausbildung spricht Führungskräfte ebenso an wie angestellte Fachmänner oder Fachfrauen. Und natürlich auch selbstständige Trainer oder Trainerinnen oder solche, die es werden wollen. Die „Train the Trainer“-Ausbildung richtet sich an jene, die punktgenau Fachwissen aus der Praxis für die Praxis vermitteln wollen. Wer dieses Seminar absolviert hat, weiß, wie man eloquent vorträgt, Gruppen souverän leitet und rhetorisch sicher auftritt. Am Trainer-Intensiv-Lehrgang „Professionell vortragen und trainieren“ von Gabriel Schandl teilgenommen hat auch Stefanie Göllner, die in der Marketing-, PR- und Eventmanagementbranche tätig ist. Die Ausbildung ist unter anderem darauf ausgerichtet, dass sie als Trainerin hervorragende Fachkompetenzen erwirbt und darüber hinaus auch didaktisch-methodisch eine fundierte Ausbildung erhält. Die international anerkannte Zertifizierung nach ISO 17024 soll das Image und die Akzeptanz der Trainer heben. „Ich kann mir gut vorstellen, zukünftig als Trainerin in der Kommunikationsbranche tätig zu sein“, erklärt Stefanie Göllner gegenüber ECHO.

WISSEN PRAKTISCH ANWENDEN
Bei ihrer Praxisarbeit im Zuge der Ausbildung hat sich Göllner mit der Konzeption eines zweitägigen Seminars zum Thema „Erfolgreiches Eventmanagement – Veranstaltungen professionell organisieren und umsetzen“ beschäftigt. Ziel dabei war es, das im Lehrgang vermittelte theoretische Wissen mit den erlernten Methoden und Techniken zu verknüpfen um somit einen kompletten Seminarablauf (Einstieg, Inhalt, Ausstieg) inklusive der entsprechenden Vor- und Nachbereitungen zu erstellen. Der Seminartitel beziehungsweise der Seminarinhalt bezieht sich dabei auf die berufliche Expertise der Trainerin, die auch beim Thema Mentaltraining bewandert ist. „Es braucht viel Überlegung und ein gutes Konzept, um alle Schritte vor, während und nach einer Veranstaltung zu berücksichtigen beziehungsweise umzusetzen“, sagt Stefanie Göllner.

BILDUNG FÜR ALLE – IM INTERNET
Die Gegenwart ist vor allem auch durch die digitale Bildung geprägt. Das Netz soll Lehrinhalte für alle verfügbar machen. Aber erfüllen sich die hohen Erwartungen? Was die Mobilität betrifft, gibt es zumindest einmal jede Menge Zeiteinsparung. Wer an der Universität studieren will, braucht dazu teilweise nur mehr einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone. „Einige Studierende lernen aber auch im Internetcafé“, sagt UoPeople-Präsident Shai Reshef gegenüber dem Standard.  Seine Uni ist die erste gebührenfreie, akkreditierte Online-Universität weltweit. Die Studierenden treffen sich mehrmals in der Woche in virtuellen Seminarräumen, wo sie Aufgaben gestellt bekommen und in Foren darüber diskutieren.

BILDUNG WIRD DIGITAL
Die Lehrenden – die teils von renommierten Institutionen wie der New York University und der Columbia University kommen – greifen ein, wenn jemand einen Fehler macht, und antworten, wenn jemand eine Frage stellt. Bewertet wird mithilfe von Hausaufgaben und Quizzen, Wortmeldungen zählen positiv für die finale Note. „Nur die Abschluss­prüfung findet live statt“, erklärt Reshef. Er verfolgt mit seiner Universität das Ziel, „Bildung für möglichst viele“ zu ermöglichen.
Darum ging es auch den Pionieren der Online-Bildung: Sebastian Thurn und Peter Norvig, Professoren an der Eliteuniversität Stanford, machten bereits 2011 ihr Seminar zum Thema künstliche Intelligenz kostenlos im Netz zugänglich. 160.000 Menschen aus 190 Ländern meldeten sich dafür an. Sie hörten drei Monate lang dieselben Übungen wie die Studierenden auf dem Campus. 23.000 bestanden die Abschlussprüfung und erhielten ein Zertifikat, wie Lisa Breit für den Standard berichtet.

DAS SYSTEM REVOLUTIONIEREN
Thurn erkannte den großen Erfolg als Potenzial, kündigte seinen Job in Stanford und gründete die auf Weiterbildung fokussierte Online-Uni Udacity. Das Ziel des Professors war dabei kein geringes: Er wollte das „elitäre“ Hochschulsystem revolutionieren. Mittlerweile sind über vier Millionen Menschen an der Udacity inskribiert. Studierende lernen dort über frei verfügbare Online-Seminare.
Eine Reihe weiterer Anbieter folgte diesem Modell. Auch traditionelle Hochschulen in den USA und Europa stellen mittlerweile Seminare ins Netz. Aber es gibt auch Vorbehalte. Einige Beobachter vergleichen den aktuellen Wandel der Bildung gar mit dem Klimawandel, einem langsamen, aber bedeutenden Prozess, von vielen – noch – unterschätzt.

NUR MANCHE PROFITIEREN
Manche Experten bezweifeln den großen Nutzen digitaler Bildung für Benachteiligte. Von Kursen im Netz würden vor allem jene profitieren, die ohnehin schon privilegiert sind, sagen sie. Die Politik solle lieber mehr Geld in die Hand nehmen und reguläre Studienplätze schaffen, „anstatt manche Studierenden ins Digitale auszulagern“, sagt beispielsweise der Bildungsphilosoph Matthias Burchardt.
Ein weiteres Argument der Digitalisierungsskeptiker lautet: Wer online lernt, ist dabei unkonzentrierter. Zu groß ist die Ablenkung. Über die Kompetenz, mit digitalen Medien produktiv umzugehen, verfügen die meisten noch nicht.
Und schließlich fehle es beim digitalen Lernen auch an der „pädagogischen Kraft der Präsenzsituation“, sagt Pädagoge Burchardt. „Die Fragen an den Professor auf dem Gang fallen beispielsweise weg.“

POTENZIALE AUSSCHÖPFEN
Aber es gibt auch jede Menge Experten, welche die Vorteile digitaler Bildung in den Vordergrund stellen. Überzeugt vom Potenzial für mehr Chancengleichheit sind beispielsweise Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt, Bildungsexperten bei der deutschen Bertelsmann-Stiftung. Sie veröffentlichten eine Publikation mit dem Titel „Die digitale Bildungsrevolution“. Endlich, schreiben sie in dem Buch, würden nicht länger Schulnoten oder Aufnahmeprüfungen darüber entscheiden, ob jemand studieren darf. An den Seminaren im Netz kann sich jeder versuchen.
Die Bildungsexperten glauben, dass man online sogar besser lernt als analog. Der Grund: Das Lehrangebot kann personalisiert werden. „Mittels adaptiver Lernsoftware und intelligenter Algorithmen sind auf die Fähigkeiten und das Lerntempo des Einzelnen abgestimmte Aufgaben möglich.“ Zudem verstärke das Spielerische den Lerneffekt.

BILDET DAS FERNSEHEN?
Apropos spielen: Interessant in Sachen Bildung ist auch die Frage, ob die Medien unseren Kindern diesbezüglich zuträglich sind. Aufgrund der enormen Medienvielfalt ist das kaum pauschal zu beantworten. Es gilt jedenfalls, sich die richtigen Inhalte herauszupicken. Also jene, die einen nicht verblöden lassen, sondern der Reflexion einen geeigneten Nährboden bieten.
Unumstritten ist, dass die Medien in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle spielen. Egal ob Fernsehen, Zeitung, Radio oder Internet, die Medien sind omnipräsent. Aber inwieweit ist Bildung durch die Medien möglich? Das Medium Fernsehen beispielsweise wird so gut wie von jedem mehrere Stunden täglich konsumiert. Demnach müssten, wenn Fernsehen bilden würde, alle Rezipienten kontinuierlich intelligenter werden. Ein Ding der Unmöglichkeit ist das dann, wenn man stundenlang „Big Brother“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ konsumiert. So wird man sein Vokabular eher um einige Kraft­ausdrücke erweitern können, als dass das Bildungsniveau angehoben würde. Wenn manche sagen, Fernsehen verdummt, dann kann das durchaus stimmen. Wer aber geschichtliche Dokumentationen, Wissensquizze und anspruchsvolle Reportagen sieht, der wird auch einiges an Wissen aus diesen Formaten mitnehmen können.

PERSÖNLICHE KONTAKTE
Problematisch ist, dass zahlreiche Kindersendungen den Faktor Bildung zusehends vernachlässigen. Zudem haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Kinder aus Lernsendungen im Fernsehen nicht so viel mitnehmen wie aus persönlichen Kontakten. Bei einem Versuch wurden Kindern des gleichen Alters Aufgaben über das Fernsehen gestellt, die sie anschließend umsetzen sollten. Jene Kinder, welchen die Aufgabe per Video vorgemacht wurde, konnten sie anschließend nicht so gut umsetzen wie jene Kinder, denen dasselbe von einer Versuchsperson vorgezeigt wurde. Kinder lernen also anhand von Erfahrungen besser als durch TV-Formate. Erwachsene hingegen können Gesehenes ganz anders verarbeiten als Kinder. Sie können Erlerntes aus dem Fernsehen  gut umsetzen.

Christian Granbacher

Samstag, den 24. Februar 2018 um 16:41 Uhr

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