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Die Firmengründung will gut vorbereitet sein

Interview. Dr. Claus Spruzina, Präsident der Notariatskammer Salzburg, über die individuelle und maßgeschneiderte Beratung bei Firmengründungen.

ECHO: Worauf gilt es bei der Gründungeiner Firma zu achten?
Claus Spruzina: Bei einer Firmengründung, vor allem auch einer GmbH, handelt es sich nicht um eine reine Formalität, sondern es geht um viele Aspekte, die in ein sehr komplexes System eingebettet sind. Die Herangehensweise und persönliche Situation der Gründer ist immer unterschiedlich, weshalb es jedes Mal individuelle und maßgeschneiderte Lösungen braucht. Es ist jedenfalls sinnvoll,

zahlreiche Informationen einzuholen und die Firmengründung sehr gut vorbereitet anzugehen.

ECHO: Gibt es auch Gründer, die auf eine Vorab-Beratung verzichten?
Spruzina: Ich sehe ein gewisses Risiko bei Online-Gründungen. Firmengründer können nicht alles abschätzen, was auf sie zukommt. Eine solide Aufklärung über die rechtlichen Grundlagen stellt eine gute Basis für gute Entscheidungen dar.

ECHO: Sind viele zukünftige Unternehmer bereit, sich durch einen Notar beraten zu lassen?
Spruzina: Schon. Sie sind froh über die Informationen, weil sie auf Dinge aufmerksam gemacht werden, die ihnen selbst gar nicht eingefallen wären. Wir zeigen natürlich Probleme auf, die sie vor uns nicht kannten. Die Realität ist, dass gewisse Aspekte auf einen zukommen können, und es ist besser, man ist hier vorbereitet. Es ist ganz logisch, dass beispielsweise ein junger Gründer viele Dinge nicht bedenkt. Etwa wenn es um das Stammkapital geht oder darum, was passiert, wenn ein Firmeninhaber krank wird, ausfällt oder gar verstirbt. Eine Gesellschaft ist ja immer auch ein Vermögenswert, der in eine Gesamtsituation miteingebettet ist. Der Vermögenswert kann sich gut entwickeln und es gibt viele Fragen zur Lebenssituation zu beantworten. Beispielsweise ob der Gründer verheiratet ist und Kinder hat.

ECHO: Die Start-up-Szene ist momentan sehr präsent. Wie können Sie diese, meist jungen, Gründer unterstützen?
Spruzina: In Salzburg gibt es eine eigene Plattform für Start-up-Unternehmen. Wir als Notariat haben eine Kooperationsvereinbarung mit dieser Plattform abgeschlossen und stellen unser Knowhow zur Verfügung. Man sagt heute relativ einfach, jede Gesellschaft, die
von jungen Menschen gegründet wird, ist ein Start-up. So ist es aber nicht. Die wirklichen Start-up-Unternehmen werden nicht in zehn Minuten gegründet, sondern sie haben eine Vorlaufzeit von einem halben bis zu einem Dreivierteljahr. Wir führen meistens zwei bis drei Gespräche mit ihnen, um zum Ergebnis zu kommen, welche Firmenform wirklich am besten für sie passt. Start-ups nehmen sehr häufig Fremdkapital mit in die Firma. Allein schon deshalb ist ein sehr hoher Beratungsbedarf gegeben. Zu uns kommen Leute, die sich für ihre Ideen Zeit nehmen und sich sehr gut informieren lassen. Diese Professionisten sind sehr gut vorbereitet und sehen vieles kritisch. Man muss aber schon sagen, dass die Start-up-Unternehmen noch immer eine Minderheit sind. Die Mehrheit sind Gesellschaftsgründer, die möglichst rasch durchstarten wollen.

ECHO: Ist dieser schnelle Start leicht zu gewährleisten?
Spruzina: Die Notare in Salzburg zählen diesbezüglich österreichweit zu den schnellsten. Es gibt lediglich ein Nadelöhr: Die Gründer brauchen die Bankbestätigung zur Einzahlung des Stammkapitals. Wenn das Geld vorhanden ist und sie genau wissen, was sie wollen, schaffen wir es innerhalb von 24 Stunden ins Firmenbuch. Aus der täglichen Praxis weiß ich, wie überrascht die Gründer sind, wie schnell das funktioniert.

ECHO: Sie sagen, Start-up-Unternehmen verfügen häu g über eine Fremdbeteiligung. Braucht es auch spezi sche Beratung, weil die Geldgeber ein großes Stück vom Kuchen der Start-up-Unternehmen abhaben wollen?
Spruzina: Man muss ganz ehrlich sagen, wer das Geld hat, schafft an. Wir leben in einer Welt, in der das Kapital eben eine gewisse Macht hat. Man muss das im Fall der Start-ups aber nicht negativ sehen. Für junge Unternehmer ist es wichtig, jemanden zu  nden, der an sie glaubt und ihnen Vertrauen schenkt. Und die Firmen, die sich beteiligen, verfügen meistens auch über ein umfangreiches Netzwerk, das sie zur Verfügung stellen. Sie wollen also nicht nur Geld investieren, sondern sie möchten wirklich etwas weiterentwickeln. Es handelt sich um eine Win-win-Situation. In diesen Fällen ist sicher ein Beratungsbedarf gegeben und wir versuchen, einen fairen Ausgleich vorzuschlagen. Die erste Rechtsauskunft bei uns ist übrigens immer kostenlos. Jene Gründer, die über die Start-up-Plattform zu uns kommen, können bei uns auch zwei- bis dreimal eine unentgeltliche Rechtsauskunft bekommen. Wir wissen, sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst, und dabei helfen wir gerne.

INTERVIEW: Christian GRANBACHER

Montag, den 09. April 2018 um 10:40 Uhr

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