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Kritik an der Salzburg AG

Energieunternehmen im Vergleich. Bei all den Jubelmeldungen zum Rekordgewinn (46,1 Millionen Euro) der Salzburg AG geht völlig unter, dass das Unternehmen über eine vergleichsweise geringe Rentabilität verfügt.

Im April präsentierte die Salzburg AG für das Geschäftsjahr 2017 einen Rekordgewinn. Zahlreiche Medien veröffentlichten die Erfolgsmeldung und betonten, dass es sich für das Unternehmen um das erfolgreichste Geschäftsjahr seit der Fusion (Salzburger Stadtwerke und SAFE) im Jahr 2000 handle. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass

eine weitere wichtige Kennzahl vergleichsweise sehr schwach ausfällt. Die Umsatzrendite gehört zu den bedeutendsten Parametern für die Messbarkeit des Unternehmenserfolgs. Sie ist das Maß für den prozentualen Anteil des Gewinns am Umsatz eines Unternehmens und bildet damit auch die Profitabilität des Unternehmens ab. Sie ist auch deshalb so wichtig, weil sie über die wirtschaftliche Effizienz von Unternehmen informiert. Man kann also Vergleiche mit dem Branchendurchschnitt oder der Konkurrenz heranziehen, um zu sehen, wie effizient ein Unternehmen arbeitet. So gesehen ist die Salzburg AG von einer Erfolgsmeldung weit entfernt. Während sie eine Brutto-Umsatzrendite von lediglich 3,62 Prozent aufweist, arbeiten andere Energieunternehmen offensichtlich um ein Vielfaches rentabler. Die Brutto-Umsatzrendite der Energie Steiermark AG beispielsweise beträgt 11,43 Prozent, jene der Energie AG Oberösterreich 12,00 Prozent. Der Kelag-Konzern in Kärnten kann 11,11 Prozent vorweisen und Wien Energie gar 12,36 Prozent.


WENIG RENTABEL
Bei all den Jubelmeldungen ist bisher offensichtlich niemandem aufgefallen, dass die Salzburg AG 2017 zwar einen hohen Gewinn erwirtschaften konnte, in puncto Rentabilität aber gegenüber anderen Unternehmen noch sehr viel Aufholbedarf besteht.
Daniela Kinz, Unternehmenssprecherin der Salzburg AG, hält dazu fest: „Da bei Energieversorgern der Anteil des Energiehandels – wo nur geringe Ergebnismargen erzielt werden – völlig unterschiedlich ist, ist auch ein Vergleich Umsatz zu Gewinn nicht aussagekräftig. Die Salzburg AG verfügt zum Beispiel über einen bedeutsamen Energiehandel, der auch den Umsatz entsprechend erhöht, nicht aber die Ergebnisse.“ Und Christian Stöckl, Salzburgs Finanzreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter (ÖVP), sagt gegenüber ECHO: „Die Salzburg AG ist mit anderen Energieversorgungsunternehmen nur schwer und bedingt vergleichbar, weil sie ein anderes und breiteres Geschäftsmodell hat. Dies beinhaltet auch Telekommunikation und vor allem Verkehr, der im öffentlichen Interesse liegt. Insgesamt bin ich mit den Geschäftsergebnissen der Salzburg AG sehr zufrieden.“


46,1 MILLIONEN EURO GEWINN
Das Wirtschaftsmagazin Trend berichtete beispielsweise, dass die Salzburg AG mit 46,1 Millionen Euro den Gewinn (EBT, auch Ergebnis vor Steuern, englisch: earnings before taxes) gegenüber dem Jahr 2016 um 6,7 Prozent steigern konnte. Auch dass der Umsatz um rund 18,2 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro angestiegen ist. „Das Ergebnis bestätigt die 2016 gestartete, neue strategische und organisatorische Ausrichtung des Unternehmens“, zitiert der Trend die Salzburg-AG-Vorstände Leonhard Schitter (Vorstandssprecher) und Horst Ebner. Geld gibt es demnach auch für die Eigentümer der Salzburg AG: das Land Salzburg (42,56 Prozent der Anteile), die Stadt Salzburg (31,31 Prozent) und die Energie AG Oberösterreich (26,13 Prozent). Für sie gibt es eine Dividende von 60 Prozent. Insgesamt schüttet die Salzburg AG 24,26 Millionen Euro an ihre Eigentümer aus.
„Einerseits natürlich eine tolle Sache. Das zeigt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburg AG tolle Arbeit geleistet haben. Nur: Dieses Geld darf nicht irgendwo im Landesbudget versickern. Aus meiner Sicht müsste das Land mindestens diesen Gewinnanteil für Verbesserungen im öffentlichen Verkehr zweckwidmen. Denn da gibt es einige Baustellen – Stichworte Jahresticket um 365 Euro oder die Umsetzung des Y-Astes bei der S-Bahn“, sagt Peter Eder, Präsident der Arbeiterkammer Salzburg gegenüber ECHO.
Ähnliche Kritik kommt von Helmut Mödl­hammer. Die ÖVP-Größe war 18 Jahre lang Präsident des Österreichischen Gemeindebunds und fragt in einem Gastkommentar in den Bezirksblättern Salzburg, ob die 46,1 Millionen Euro Gewinn der Salzburg AG, denn auch ein Gewinn für die Bürger seien.  „Erwirtschaftet haben das die tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburg AG, bezahlt haben den Gewinn die vielen Strom-, Gas-, Wasser-, Internetkunden und die Passagiere der O-Busse und Lokalbahn. Da darf man sich schon fragen, ob es nicht ein wenig günstiger ginge, ob man nicht auf die eine oder andere Erhöhung der Tarife (wie zuletzt bei den O-Bussen) verzichten könnte. Oder was Stadt und Land mit dem Gewinn machen. Wäre es nicht fair, dieses ‚Bürger-Geld‘ den Bürgern wieder zugute kommen zu lassen? Indem man es wirklich in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs steckt, der ohnehin in Salzburg ein eher stiefmütterliches Dasein fristet, oder ein attraktives Jahresticket für die Pendler einführt, wie es andere Bundesländer getan haben. Das wäre dann auch ein echter Gewinn für die Bürger, die die Ausrede ‚es ist kein Geld da‘ ohnedies nicht mehr glauben und hören können“, schreibt Mödlhammer. ECHO hat diesbezüglich bei der Salzburg AG nachgefragt und um eine Stellungnahme zu dem Zeitungskommentar gebeten. Unternehmenssprecherin Daniela Kinz dazu: „Richtig ist, dass die Salzburg AG gut gewirtschaftet hat und ein Ergebnis von 46,1 Millionen Euro ausgewiesen hat. Jeder Geschäftsbereich der Salzburg AG muss grundsätzlich positive Ergebnisbeiträge nach Verzinsung des eingesetzten Kapitals erbringen. Das bedeutet, dass das Ergebnis der Salzburg AG – 46,1 Millionen Euro – ausschließlich eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals der Geschäftsbereiche des Unternehmens ist. Leider ist hier der Öffentliche Personennahverkehr – Obus und Lokalbahn – deutlich negativ, das heißt, die Kosten übersteigen deutlich die Erträge. Gemäß den Vorgaben aller Eigentümer und der Satzung müssen Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr eigenwirtschaftlich sein oder durch die öffentliche Hand gefördert werden. Wie die öffentlichen Gelder eingesetzt werden, wird von den Gebietskörperschaften festgelegt.“


FORDERUNG NACH TARIFSENKUNG
Eine Reaktion auf den Rekordgewinn der Salzburg AG gab es auch von der FPÖ Salzburg. „Natürlich freut sich der Vorstand darüber, hohe Dividenden ausschütten zu können. Sinnvoller wäre es jedoch, wenn das Geld wieder an die Salzburgerinnen und Salzburger zurückgeht. Vorzugsweise in Form günstigerer Öffi-Tickets“, teilt FPÖ-Landesparteiobfrau Marlene Svazek via Presseaussendung mit. Sie will den Druck seitens der Politik gegenüber der Salzburg AG erhöhen: „Da wir es nun Schwarz auf Weiß haben, dass die Salzburgerinnen und Salzburger zu viel bezahlen, soll die Salzburg AG endlich ihre Tarife senken“, fordert Svazek. Dass von einer Oppositionspolitikerin oder der Arbeiterkammer Kritik am Land und einem Unternehmen mit Landesbeteiligung geübt wird, ist nicht ungewöhnlich. Erstaunlich ist jedoch, dass mit Helmut Mödlhammer ein ÖVP-Urgestein harte Worte für die Landespolitiker und die Salzburg AG findet.
Leonhard Schitter ist seit 2012 Vorstand der Salzburg AG, zuvor war er zwölf Jahre lang Geschäftsführer der Holz-Firma Kaindl. Von 1994 bis 1999 war er Sekretär der ÖVP-Landeshauptleute Hans Katsch­thaler und Franz Schausberger. Schitter stand bereits 2016 im Mittelpunkt der Kritik zweier ranghoher Politiker. Zwölf der 15 Aufsichtsratsmitglieder stimmten damals für seine Vertragsverlängerung. Er wird zumindest bis Ende 2021 Vorstandssprecher der Salzburg AG bleiben. Doch der Beschluss fiel nicht wie üblich einstimmig aus. Ein Betriebsrat enthielt sich damals der Stimme. Und ausgerechnet zwei damalige Landesräte stimmten gegen die Vertragsverlängerung von Leonhard Schitter. Die Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler (Grüne) war unzufrieden mit der Absage eines Geothermie-Projekts der Salzburg AG und der ehemalige Verkehrslandesrat Hans Mayr übte heftige Kritik am Zustand des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Salzburg. Seinen Unmut äußerte Hans Mayr kürzlich auch in einem Interview in ECHO 02/2018: „Die Salzburg AG hat stets die Idee vertreten, die Regionalbusse sollen die Leute zum Bahnhof bringen, von wo weg sie mit den O-Bussen verteilt werden. Auf diese Weise konnte sie natürlich viele Kunden und viele Einnahmen erreichen. Dass die Leute einen viel längeren Weg zu bewältigen hatten, war den Verantwortlichen völlig egal. Das Angebot ging komplett an den Interessen der Kunden vorbei.“

Christian GRANBACHER

Freitag, den 25. Mai 2018 um 12:19 Uhr

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