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Lambo, oder!? Nein, Lotus!

Lotus Esprit. „Viele Leute denken auf den ersten Blick, das wäre ein Lamborghini“, so sein Besitzer Jakob Kittl, „optisch gibt’s ja durchaus ein paar Ähnlichkeiten. Aber es ist ein Lotus Esprit Turbo, BJ 1981, und der hat seine ganz eigene Geschichte.“

Dass Jakob Kittl, leidenschaftlicher Ford-Capri-Fahrer und Besitzer aller drei Capri-Generationen, mal selbst einen alten Lotus zu Hause in der Garage neben seinen Kultcoupés stehen haben, geschweige denn, diesen eigenwilligen Briten mal selbst aufbauen würde, das hätte er sich früher wohl nie träumen lassen. Denn mit den feinen, harmonischen Rundungen eines Ford Capri hat die flache Flunder nicht im Entferntesten etwas gemein. Kantig, eigenwillig, selbstbewusst steht er jetzt in der Garage nebenbei. Wie ein ruppiger Kautz. Aber wie es im Leben so ist, kommen die schönsten Dinge eben immer unerwartet.
„Ich habe den Lotus damals bekommen – ohne Motor, ohne Getriebe, ohne Papiere, ohne Schlüssel“, so Kittl. Er war im Museum in Bad Aussee ausgestellt, übrigens dem größten Lotus-Museum in ganz Europa. „Der Josef hat mich gefragt, ob

ich ihn denn nicht wieder auf die Straße bringen könnte. Ich habe damals Ja gesagt. Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich nie im Leben zugesagt … und hätte ich während der Arbeiten an dem Lotus eine Dynamitstange danebenliegen gehabt, gäbe es das Auto schon lange nicht mehr“, schmunzelt Kittl. Gut, dass er keine Dynamitstange hatte. Hätte er aber auch nicht wirklich gemacht.


„Eigentlich eine geile Karre …“
„Als Erstes bin ich dann gleich mal zum Lotus-Shoppen nach England gefahren und mit einem Kofferraum voller Ersatzteile wieder zurückgekommen.“ Lotus-Ersatzteile für jegliche Modelle gibt es in England zuhauf und zudem auch noch erschwinglich. In Österreich schaut es diesbezüglich schlecht aus und in Deutschland sind die Teile zwar zu finden, aber um ein Vielfaches teurer als in England. „Und dann hab ich angefangen, daran zu arbeiten, ihn zwischenzeitlich wieder stehen lassen, dann wieder weitergearbeitet … schließlich war er fertig. Und dann kam der Moment, als ich ihn das erste Mal startete …“ Wenn beim Auto Rauch aufgeht, dann ist das – anders als im Vatikan – erstmal kein gutes Zeichen: Motorschaden! „Ich habe mich grün und blau geärgert – aber ich hab mir dann aus England auch gleich einen neuen Motor schicken lassen. Alter Motor raus, neuer Motor rein, und seitdem läuft die Karre.“
„Eigentlich wollte ich ihn gar nicht behalten“, so Kittl, „aber als ich ihn mir dann genauer angeschaut habe, da habe ich mir gedacht: Eigentlich ist das schon eine geile Karre.“


Es ist, was es ist.
Beststeller war der Esprit nie einer. Auch wenn er leistungsmäßig sogar besser war als ähnlich gelagerte Sportwagen deutscher Hersteller. Aber der Engländer ist keiner, der sich anbiedert. Er schreit nicht „Hier bin ich“, sondern wartet ruhig in der Reihe, bis er dran ist. Damals wie heute ist der Lotus Esprit ein Exot. Das macht ihn auch so besonders. Er ist, was er ist. Ein Lotus Esprit.
Schwachstellen? Zumindest um Rost braucht man sich beim Esprit keine Sorgen zu machen. Blech sucht man hier vergebens. Jakob Kittl klopft auf die Karosserie: „Alles Kunststoff. Unfall möchte ich keinen haben mit dem Häusl. Ich glaube, da sitzt man dann im Freien.“
Der Lotus ist flach wie eine Flunder und es braucht schon etwas Gelenkigkeit, sich hinter das gebogene, vorragende Armaturenbrett mit den Instrumenten in den Sitz zu hieven. Automatik gab es keine, auch keine Servolenkung oder ABS. Dafür aber Klimaanlage, elektrische Fensterheber und elektrische Spiegel.
Seine Keilform-Optik verdankt der Lotus Esprit übrigens dem Italiener Giorgetto Giugiaro. Ab 1987 wurde der Esprit durch das Design von Peter Stevens deutlich runder.
1976 brachte Lotus den ersten Esprit auf die Straße. Bis zum Produktionsende wurde der Mittelsportwagen in mehreren Versionen angeboten. Kam er anfänglich nur mit 162 PS und einem Vier-Zylinder-Motor auf den Markt, bog er zum Schluss dann mit einem 3,5-Liter-Biturbo-V8-Motor und 354 PS um die Ecke. Im Produktionszeitraum von 1976 bis 2004 wurden insgesamt 10.675 Stück gebaut. Vom Esprit Turbo sind in Österreich nur eine Handvoll im Umlauf. Für gut erhaltene Originale werden schon gerne mal rund 40.000 bis 45.000 Euro auf den Tisch gelegt. Jakob Kittl denkt aber nicht daran, seinen Lotus Esprit wieder herzugeben – „auch wenn er mich wirklich ziemlich oft geärgert hat“. Aber hier bewahrheitet sich wohl einmal mehr das Spruchwort: Was sich wirklich liebt, das neckt sich.

Gerlinde TSCHEPLAK

Freitag, den 25. Mai 2018 um 12:36 Uhr

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