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IfM 0110
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„Es geht nicht um den politischen Kleinkrieg – oder persönliche Eitelkeiten“

Wilfried Haslauer. Der Landeshauptmann im ECHO-Interview zu den Vorhaben der neuen Landesregierung, über die neuen Landesräte Stefan Schnöll (ÖVP) und Andrea Klambauer (NEOS) und über eine misslungene Pflichtübung von SPÖ und FPÖ.

ECHO: Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, die Oppositionsparteien haben die neue Landesregierung gleich mit heftiger Kritik empfangen. Walter Steidl von der SPÖ sagt, die ÖVP befinde sich in einem Machtrausch und das Arbeitsprogramm der Regierung sei mutlos und ohne Visionen. Marlene Svazek von der FPÖ sieht eine „schwarze Machtdemonstration“. Grün und Pink würden eine Komparsenrolle einnehmen. Was entgegnen Sie dieser Kritik?
Wilfried Haslauer: Es ist natürlich die Aufgabe der Opposition,

die Vorhaben der Regierung zu kritisieren. In diesem Fall ist das wohl eine Pflichtübung, die einer faktischen Prüfung nicht standhält. Wir haben ein äußerst ambitioniertes Regierungsprogramm, einen Koalitionsvertrag, vorgelegt, der auf die wesentlichen Herausforderungen des Landes eingeht und ganz konkrete, messbare und überprüfbare Maßnahmen enthält. Dieser Koalitionsvertrag wird von allen drei Parteien getragen. Die Zusammensetzung der Landesregierung entspricht den Stärkenverhältnissen, die der Wähler den Parteien zugestanden hat. In dieser Regierung, die eine „Allianz der politischen Mitte“ bildet, sind die beiden einzigen Parteien enthalten, die ihre Wahlziele erreicht haben – die Salzburger ÖVP als stabile bürgerliche Kraft der Mitte und die NEOS mit ihren liberaleren Zugängen, die klar den Einzug in den Landtag geschafft haben – und die Grünen, die zwar stark an Stimmen verloren, aber dennoch das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte in Salzburg erzielt haben. Die beiden Oppositionsparteien SPÖ und FPÖ haben ihre jeweiligen Wahlziele klar verfehlt. Man sollte also der Legendenbildung der Opposition nicht zu viel Bedeutung beimessen.

ECHO: Mit Josef Schwaiger und Christian Stöckl finden sich abermals zwei Personen in der Landesregierung, welchen Sie schon länger vertrauen. Was schätzen Sie an den beiden Herren besonders?
Haslauer: Ihre Erfahrung, ihre Fachkompetenz gepaart mit einem gesunden Hausverstand, ihr Beharrungsvermögen, ihr Zugehen auf die Menschen und ganz besonders, dass wir menschlich zu einem richtig guten Team zusammengewachsen sind.
ECHO: Mit dem 30-jährigen Stefan Schnöll stellt die ÖVP den jüngsten Landesrat Österreichs. Soll das Modell Sebastian Kurz, d. h. je jünger desto besser, nun auch in den Ländern Schule machen?
Haslauer: Nicht je jünger, desto besser, sondern jung und schon jetzt sehr gut für seine Aufgabe geeignet, das ist die Maxime, nach der ich Stefan Schnöll in mein Team geholt habe. Er ist ein großes politisches Talent, der nun in einem der wichtigsten und forderndsten Bereiche zeigen wird, was er kann.
ECHO: Sie arbeiten erstmals mit den NEOS zusammen. Wie war diesbezüglich das Klima während der Koalitionsverhandlungen beziehungsweise wie viel können Sie bisher schon zur Zusammenarbeit mit der NEOS-Landesrätin Andrea Klambauer sagen?
Haslauer: Das Klima in den Koalitionsverhandlungen war gut und von wechselseitiger Wertschätzung geprägt. Dieses Salzburger Klima, um das uns viele beneiden und das die Menschen in diesem Land schätzen, wollen wir uns auch bewahren. Es geht in erster Linie um die Sache und nicht um den politischen Kleinkrieg – oder persönliche Eitelkeiten. Frau Klambauer macht auf mich einen guten, kompetenten Eindruck. Ich bin sicher, wir werden gut zusammenarbeiten.
ECHO: Wie bewerten Sie den Rücktritt von NEOS-Gründer Matthias Strolz aus der Politik?
Haslauer: Das kann ich – ehrlich gesagt – nicht beurteilen. Ich verstehe aber, wenn er sich nach einer sicher schwierigen Aufbauphase in seiner Partei neuen Zielen zuwenden will. Hin und wieder tut eine Neuorientierung gut. Das war bei mir bei meinem Wechsel vom Anwaltsberuf in die Politik nicht anders.

INTERVIEW: Christian GRANBACHER

Freitag, den 06. Juli 2018 um 11:12 Uhr

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