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Das Heulen der Wölfe

Debatte. Mehrere Wolfsrisse verbucht das Land Salzburg in diesem Jahr bereits. Anhand eines Aktionsprogramms will das Land Lösungen erarbeiten, mit dem Ziel, eine Herabstufung des Schutzstatus zu erlangen.

Kein Thema hat in den vergangenen Monaten die Gemüter der Landwirte derart erhitzt: Noch bis vor Kurzem wütete ein Wolf im Salzburger Umland und erlegte dabei nachgewiesenermaßen gleich mehrere Schafe. Seitdem herrscht Aufruhr unter den Bauern und auch die Touristiker sind in Besorgnis, denn

die nunmehr bestätigte Tatsache, dass ein Wolf sich in der Gegend herumtreibe, zieht weitaus mehr Kreise, als sich so manch Tierfreund vorstellen will. Einige Kleinbauern verzichten heuer bereits auf den Almauftrieb und denken gar über ein Aufhören nach. Damit wäre aber langfristig die Almwirtschaft und somit auch ein wichtiger Tourismussektor in Gefahr.

SACHLICHE DISKUSSIONSEBENE
Seit der Berner Konvention im Jahr 1979, die den Wolf als streng geschützte Tierart in Europa definierte, kann man wieder eine vermehrte natürliche Ausbreitung in Europa – derzeit etwa 20.000 Individuen – beobachten, wobei die jungen Wölfe auf Wanderschaft gehen und zunehmend auch Österreich queren. Für die Jägerschaft ist dies ein Beweis dafür, dass der Schutzstatus längst schon aufzuheben sei. Allerdings stellen sich EU-Vertreter bislang quer. Und auch die Naturschützer verweisen auf die Relevanz des Wolfs hinsichtlich Artenvielfalt und positiver Beeinflussung der Wildpopulationen. Ebenso verweist man auf die friedliche Koexistenz mit Wölfen in Ländern wie Rumänien und der Schweiz. „Das sind alles eher einseitige Argumente“, meint dazu Hubert Stock, der vom Land Salzburg kürzlich zum Wolfsbeauftragten bestellt wurde. Denn abgesehen davon, dass Wolfsrudel in Osteuropa aufgrund der kargen Besiedlung viel mehr Bewegungsfreiheit hätten, könne eine Etablierung von Wölfen zu Wildschäden führen, wenn diese sich auch an die Futterstellen hermachen und das Rotwild vertreiben. Zudem sei die Lage in den „humanen“ Ländern längst nicht so problemlos, wie es scheint. „Es kommt halt immer darauf an, wen man fragt“, so Stock, der als Landwirt zwar selbst Opfer von Wolfsrissen wurde, in seiner neuen Funktion aber auf sachliche Diskussion setzt.

ANGST VOR DEM BÖSEN WOLF?
Weil die Thematik derzeit aber vielmehr auf emotionaler Ebene verläuft, wurde nun vom Land Salzburg ein 5-Punkte-Aktionsprogramm ins Leben gerufen, das stufenweise zu einer Lösung des „Problems Wolf“ führen soll. In erster Linie gehe es darum, den geschädigten Landwirten die Angst vor dem Wolf zu nehmen und eine Anlaufstelle zu bieten, meint Hubert Stock, dessen Bestellung zum Wolfsbeauftragten bereits die erste Umsetzung dieses Aktionsplans bedeutet. Weiters soll es schnelle und unbürokratische Entschädigungen für erlittene Schäden sowie eine Intensivierung der Herden-Schutzmaßnahmen – etwa durch spezielle Bezäunung, Herdenschutzhunde oder durch die Behirtung durch Menschen – geben. Dadurch stellen sich aber weitere Herausforderungen, zumal die Herdenhunde auch andere Tiere angreifen können und es in Österreich bis dato keine adäquate Ausbildung für Hirten gibt. Vorgesehen ist auch eine landesübergreifende Zusammenarbeit im Umgang mit Problemwölfen sowie die Etablierung eines Bundeszentrums für große Beutegreifer wie Bär, Luchs und Wolf. Das langfristige Ziel des Landes Salzburg soll aber eine Herabstufung des Schutzstatus auf Verhandlungsbasis der Europäischen Union sein.
Die Debatte wird also weiterhin die Gemüter erhitzen, denn der Wolf, der ja in vergangenen Zeiten auch deshalb in wilden Hatzjagden fast ausgerottet wurde, weil er von den Menschen als Nahrungskonkurrent und Gefahr für Leib und Leben angesehen wurde, erkämpft sich langsam wieder seine alten Territorien zurück. Die Frage wird sein: Ist er noch erwünscht, der scheue Jäger und Vorfahre unseres geliebten Haushunds? Oder gibt es nach wildökonomischen Ansichten für ihn hier keinen Raum mehr? Schließlich werde laut Hubert Stock das größte Problem die Finanzierung sein. „Dabei geht es um Investitionen in Millionenhöhe.“

5-Punkte-Aktionsprogramm des Landes Salzburg zum Thema „Problemwolf“
•    Intensivierung der Herden-Schutzmaßnahmen: Diese Hilfe besteht aus Information
    und Beratung, welche zielgerichtete und zumutbare Maßnahmen sowohl für Heim-
    als auch Almweideflächen vorsieht.
•    Schnelle, effiziente, unbürokratische Entschädigungen: Erlittene Schäden werden
    effizient, schnell und unbürokratisch entschädigt. Dazu gehört auch finanzielle
    Unterstützung von Schutzmaßnahmen.
•    Managementplan für Problemwölfe: Aufgrund des regelmäßigen Vorkommens von
    Wölfen wird für das Bundesland Salzburg ein landesweit abgestimmter Management-
    plan entwickelt. Darin wird unter anderem der Umgang mit Problemwölfen festlegt.
•    Wolfsbeaufragter des Landes Salzburg: Zur Beurteilung der notwenigen
    (Sofort-)Maßnahmen wird ein Koordinierungsgremium mit einem Wolfsbeauftragten
    als erstem Ansprechpartner eingerichtet.
•    Verhandlungen Schutzstatus: Gegenüber der Europäischen Union und einzelnen
    Mitgliedsländern sowie staatenübergreifenden Institutionen wird eine Herabstufung
    des Schutzstatus in der FFH-Richtlinie angestrebt.

Informationen und Schadensmeldungen unter:
www.salzburg.gv.at/themen/aw/wolf/
T +43 676 7133947

Gerti KRAWANJA

Samstag, den 07. Juli 2018 um 11:33 Uhr

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