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Wirtschaft
Echo Tirol

Der Preis der Entscheidung

Bereits 1992 wies die Wirtschaftswissenschaftlerin Theresia Theurl nach, dass alle mit der europäischen Einheitswährung vergleichbaren, historischen Währungsunionen souverän bleibender Staaten gescheitert waren. Im ECHO-Interview spricht sie über das Europa von heute und inwieweit es Bestand haben kann.

ECHO: In der Einleitung zu Ihrem bereits 1992 verfassten und nun neu aufgelegten Buch „Eine Währung für Europa“ schrieben Sie: „Die Aufgabe der Integrationspolitik besteht darin, zu erforschen, inwieweit die ,Vision Europa‘ von der Bevölkerung Europas mitgetragen wird. Dafür ist es aber erforderlich, diese Vision zu konkretisieren.“ Ist dies Ihrer Meinung nach passiert?
Theresia Theurl: Nein, die „Vision Europa“ wurde bisher nicht konkretisiert. Allerdings erleben wir gerade, dass die normative Kraft des Faktischen eine Entwicklung hin zu weiteren Elementen einer stärkeren politischen Integration bewirkt. Dies sind Elemente einer Transferunion, einer Fiskalunion sowie eines Haftungsverbundes.
ECHO: Sie stellen anhand historischer Beispiele die These auf, dass monetäre Unionen ohne gemeinsame Politik temporäre Zusammenschlüsse waren. Inwieweit könnte dies für die EU wahr werden?
Theurl: Monetäre Unionen erfordern, dass ihre Voraussetzungen beachtet werden. Das beste Beispiel ist die Haushaltsdisziplin der Mitgliedsländer. Ist diese nicht gegeben, entstehen Sprengkräfte in der Union. Es gibt zwei Wege, damit umzugehen. In den historischen Beispielen des 19. Jahrhunderts akzeptierten die Staaten diese monetär bedingten Einschränkungen ihrer Souveränität nicht und lösten ihre Geldbünde wieder auf. So weit wird es aktuell nicht kommen, da der politische Wille, die Union zusammenzuhalten, sehr ausgeprägt ist. Dies ist der zweite Weg: eine stärkere politische Integration und eine Verlagerung weitreichender finanzpolitischer Kompetenzen auf die EU-Ebene.
ECHO: Welche Fehler gab es in Bezug auf die Euro-Einführung und den jetzigen wirtschaftspolitischen Entwicklungsstand?
Theurl: Zu unterscheiden sind Konstruktions- und Managementfehler. Es wurden Mitglieder in die Union integriert, die die Voraussetzungen formal und/oder inhaltlich nicht erfüllten. Die Regeln, die ein unionsbelastendes Verhalten der Staaten verhindern sollten, haben die politischen Realitäten zu wenig berücksichtigt. Staaten haben nach wie vor ihre finanzpolitischen Kompetenzen in Anspruch genommen. Kollektiv wurde dann gegen diese Regeln sanktionslos verstoßen. Als die damit verbundenen Probleme auch sichtbar wurden, begann ein nicht überzeugendes Krisenmanagement, das die Situation noch deutlich verschlechtert hat. Ich will nur darauf hinweisen, dass die EZB (Anm.: Europäische Zentralbank) in diesem Prozess stark belastet wurde. Ihre Unabhängigkeit und ihre Glaubwürdigkeit haben großen Schaden genommen.
ECHO: Wie bewerten Sie denn das Überschreiten der Funktionsgrenzen der EZB?
Theurl: Was mit der EZB geschehen ist, ist eine der traurigsten Facetten der aktuellen Entwicklung überhaupt. Die Korrektur ihres Imageverlustes und die Bereinigung ihrer Bilanz wird wohl einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Wir haben erlebt, wie schnell die Unabhängigkeit einer staatlichen Organisation ausgehebelt werden kann. Dabei muss anerkannt werden, dass es in außerordentlichen Situationen manchmal keine Alternativen gibt. Doch entscheidend ist die Kommunikation entsprechender Maßnahmen sowie die Exit-Strategie. Dies alles ist wohl nicht besonders gut gelungen.     
ECHO: Das Haushaltsdefizite nicht gedeckelt, die Staatsschulden nicht begrenzt, das Bail- out-Verbot gebrochen, die EZB ist nicht länger unabhängig: Wie ist die Aufrechterhaltung eines Systems zu gewährleisten, das auf Regeln basiert, deren Scheitern in Kauf genommen wird und wurde?
Theurl: Wir sollten uns bei aller Kritik immer wieder vor Augen führen, dass die Politik seinerzeit die Verantwortung für die Währungsunion übernommen hat und zwar im Wissen der fundamentalen Risiken, die viele Ökonomen immer wieder artikuliert haben. „Ökonomische Gesetze“ setzen sich letztlich immer durch gegen Illusionen. Es geht also nun um eine echte Reform der Euro-Währungsordnung, die die offensichtlichen Konstruktionsmängel und Managementfehler verhindern kann. Was zu tun ist, ist bekannt. Gelingt dies nicht, dann werden die aktuellen Probleme immer wieder auftreten. Dies sollte man nüchtern sehen.      
ECHO: Im Buch sprechen Sie von integrierenden und desintegrierenden Kräften rund um die neue monetäre Ordnung. Sind die aktuellen Geschehnisse Ausdruck dessen, dass Europa mehr trennt als eint?
Theurl: Der Euro ist ein starkes integrierendes Instrument. Doch er war von Anfang an in eine Währungsunion mit heterogenen Staaten eingebunden, was bekannt war. Die Europäische Union hat eben einmal heterogene Mitglieder – wirtschaftliche Voraussetzungen, wirtschaftspolitische Präferenzen, Vertragstreue etc. Die aktuellen Geschehnisse konnten also nicht ausbleiben und sind das Ergebnis der fehlenden Bereitschaft zahlreicher Unionsmitglieder, die disziplinierenden Regeln der Euro-Währungsunion zu akzeptieren. Wiederum sind das beste Beispiel die Verletzung von Budgetregeln sowie der Verstoß gegen die No-Bailout-Klausel. In der Union haben sich über die Jahre, ermöglicht und angeregt durch die gemeinsame Währung, verdeckt große Ungleichgewichte aufgebaut, die eben diese Unterschiede nun wieder sehr deutlich zum Ausdruck bringen.        
ECHO: Welche Auswirkungen wird das auf eine innereuropäische Akzeptanz der EU haben?
Theurl: Dies ist nur schwer abzuschätzen. Zahlreiche Befragungen und Stimmungsbarometer liefern widersprüchliche Ergebnisse. Mein Eindruck aus aktuellen Diskussionen ist, dass eine gewisse Müdigkeit eingetreten ist, sich mit solchen Themen überhaupt noch auseinanderzusetzen, dass aber auch große Angst vor einem Vermögensverlust herrscht und dass das Vertrauen in die Problem­lösungsfähigkeit durch die Politik sehr gering geworden ist.
ECHO: Sie schreiben vom „Charakter des Geldes“, das in den politischen Bereich eingebettet ist oder aber ein „überlegenes monetäres Arrangement darstellt und damit erhalten wird“: Ersteres ist in der EU nicht der Fall, Zweiteres zumindest aktuell in Frage zu stellen. Was ist die Konsequenz?
Theurl: Geld ist immer auch politisch. Das sehen wir auch derzeit sehr deutlich. Es ist nicht gelungen, es aus dem politischen Bereich herauszuhalten. Dies würde Automatismen und Sanktionen für jene Staaten erfordern, die gegen die Regeln der Währungsunion verstoßen. Die Konsequenzen erleben wir gerade und sie werden auch in Zukunft nicht ausbleiben: hektisches Krisenmanagement auf der politischen Ebene.    
ECHO: Wie werten Sie die Risiken für eine erneute Rezession?
Theurl: Sie hängen davon ab, ob tragfähige und glaubwürdige Lösungen für die aktuellen Probleme gefunden werden. Diese verursachen derzeit Unsicherheit und entsprechende einzelwirtschaftliche Reaktionen der Menschen.
ECHO: Der Spiegel schrieb über gezielte Angriffe von Spekulanten auf den Euro – sind diese Spekulationen mit ein Auslöser für die Krise oder bringen sie nur das zutage, was ohnehin passiert wäre?
Theurl: Konstruktionsfehler und ein unglaubwürdiges Krisenmanagement haben zu Entwicklungen geführt, die zu Spekulation einladen. Spekulantenschelte ist zwar populär, ersetzt aber nicht die Schaffung tragfähiger Voraussetzungen für eine funktionierende Euro-Union. 
ECHO: Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Aktivitäten der Rating-Agenturen?
Theurl: Rating-Agenturen haben eine wichtige Aufgabe, nämlich Informationsasymmetrien abzubauen, die im Finanzsystem sehr zahlreich existieren. Doch auch sie haben kein gesichertes Wissen über die Zukunft. Der nicht erfüllbare Wunsch der Menschen, Sicherheit zu erhalten, hat dazu geführt, dass die Botschaften der Ratingagenturen überinterpretiert werden. Sie können dort keine Sicherheit geben, wo Sicherheit nicht möglich ist. Da die Berücksichtigung der Ratings für viele Transaktionen mittlerweile verpflichtend vorgeschrieben ist, haben Rating-Agenturen starken Einfluss und Macht erhalten. Die Gesellschaften haben sich von ihren Urteilen abhängig gemacht, dabei aber nicht berücksichtigt, dass Rating-Agenturen private gewinn­orientierte Unternehmen sind.
ECHO: Wäre es von Vorteil, würden Rating-Vorschriften gelockert werden und wären Banken, Versicherungen oder Pensionfonds nicht mehr an die Ratings gebunden?
Theurl: Die Bindung an Ratings wurde eingeführt, um Personen zu schützen. Diese Art von Schutz ist jedoch nicht möglich und letztlich gibt es keine Alternative: Man muss sich selbst ein Urteil bilden. Rating-Vorschriften können eine Informationsquelle dafür sein. Dem Wunsch nach einem Abbau von Informationsdefiziten steht die Gefahr mächtiger Intermediäre entgegen. Hier gilt es also abzuwägen – und jede Entscheidung hat ihren Preis.      
ECHO: Inwieweit gehört das Finanzsystem reguliert, und ist das über nationale Grenzen hinweg durchführbar?
Theurl: Selbstverständlich muss das Finanzsystem reguliert werden, da einige Faktoren dazu führen, dass die Marktkräfte temporär oder langfristig versagen können. Darüber besteht ja Konsens, nicht jedoch über die Inhalte der Finanzmarktregulierung, die in der Realität letztlich „verhandelt” wird. Da Finanzmärkte heute eine globale Dimension haben, muss auch die Regulierung eine internationale sein. Dies erschwert ihre Vereinbarung, ist jedoch unabdingbar. Nationale Sonderwege machen keinen Sinn und sind zum Scheitern verurteilt.
Interview: Sonja Niederbrunner

Theresia Theurl studierte Volkswirtschaftslehre an der Uni Innsbruck und habilitierte sich 1992. 1993 erhielt sie den Kardinal-Innitzer-Preis und den Preis des Fürstentums Liechtenstein für wissenschaftliche Forschung. In ihrem 1992 veröffentlichten Buch „Eine gemeinsame Währung für Europa: 12 Lehren aus der Geschichte“ wies Theurl nach, dass alle mit der europäischen Währungsunion vergleichbaren Einheitswährungen in Staatenbünden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gescheitert waren. Seit 2000 ist sie Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und leitet dort das Institut für Genossenschaftswesen.


 
Echo Tirol

Groß, größer – pleite

Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, investieren Tirols Seilbahner jedes Jahr enorme Summen. Doch dabei können die kleinen Skigebiete inzwischen nicht mehr mit. Ihnen droht das Aus.

Sie kommen in Flugzeugen, Auto- und Buskolonnen, packen Koffer und Scheine aus und hinterlassen ihre Spuren im Schnee – und viel Geld im Land. Skifahrer, Snowboarder und Partyhungrige kommen jedes Jahr aus Deutschland, Russland, Holland oder sonst wo her. Mit neun Millionen Gästen im Jahr 2010 kamen mehr als zehnmal so viele, wie es Tiroler gibt. Und wenn sie im heurigen Winter wieder einfallen, erwarten sie mehr Party, mehr Piste und mehr Bequemlichkeit. Damit diese Erwartungen auch erfüllt werden, investieren Tirols Touristiker jedes Jahr Hunderte von Millionen Euro. Allen voran die Seilbahner. An die 350 Millionen Euro waren es zuletzt.
Notwendige Investitionen, bei denen die kleinen und kleinsten Skigebiete aufgrund ihrer wirtschaftlichen Strukturen – etliche sind zudem hoffnungslos veraltet – nicht mehr mithalten können. Nun hat der SPÖ-Landtagsabgeordnete Klaus Gasteiger eine Idee präsentiert, die heftige Diskussionen ausgelöst hat. „Klein- und Kleinstskigebiete sind häufig gar nicht so unrentabel, wie es dargestellt wird. Sie können aber die enormen Summen, die für notwendige Modernisierungsvorhaben aufzubringen sind, nicht oder nur sehr schwer aufbringen.“ Als Lösung schlägt Gasteiger nun vor, einen Landesfonds bzw. eine Holding zu gründen, die diesen Skigebieten bei der Finanzierung unter die Arme greift. „Diese Holding müsste sich bei Bedarf an dem jeweiligen Skigebiet beteiligen und dann für die notwendigen Kredite die Haftung übernehmen“, präzisiert Gasteiger und ergänzt: „Es geht nicht darum, dass die öffentliche Hand in Infrastrukturmaßnahmen investiert, sondern mit dieser Lösung ermöglicht man den kleinen Anbietern auf dem Markt, leistbare und damit zurückzahlbare Kredite zu bekommen.“ Vergleichbar sei dies mit einer Initiative des Landes Niederösterreich. Nach eingehender Bewertung der wirtschaftlichen und touristischen Bedeutung für das Land Niederösterreich wurde sechs Skigebieten, die die betriebswirtschaftlichen Komponenten erfüllten, die Möglichkeit einer Beteiligung unterbreitet. Unterlegt wurde die Notwendigkeit dieser Maßnahme auch mit Zahlen. So erwirtschafteten diese Kleinskigebiete mit „757 Skier Days“ – darunter versteht man die Anzahl der Gäste pro Tag – einen Bruttoumsatz von 46 Millionen Euro, was eine Wertschöpfung von 24 Millionen ergibt. Betrachtet man die Tat­sache, dass 58 Prozent der 83 Tiroler Skigebiete nach der Definition des Landes Tirol (Quelle: Infrastrukturförderprogramm des Landes) zu den Klein- und Kleinstbetrieben gehören, lässt sich in diesem Vergleich die wirtschaftliche Größenordnung der sogenannten Kleinen in Tirol erahnen. Beim letzten Tiroler Seilbahntag betonten auch die Vertreter dieser kleinen und kleinsten Skigebiete, dass der Betrieb eigenverantwortlich wirtschaftlich zu führen sei, aber für notwendige Investitionen müsse die öffentliche Hand im Interesse der Bevölkerung einen größeren Beitrag leisten.
Für die Seilbahnwirtschaft ist der Vorschlag einer Landesholding zum Auffangen von strukturschwachen Skigebieten allerdings keine Lösung. Es könne nicht Aufgabe der Politik sein, in Marktmechanismen einzugreifen, sondern sie habe die Rahmenbedingungen festzulegen, unter denen die Unternehmen ihre Leistungen anbieten können. „Es liegt Geld für Investitions­förderungen bereit, nur die Vorgaben­ machen es den kleinen Unternehmen unmöglich, diese Förderungen auch abzurufen“, erklärt Josef Ölhafen, Fachgruppengeschäftsführer der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer. So müssen die Betreiber eines Skigebietes nach den Förderrichtlinien 75 Prozent des Investitions­bedarfes selbst bereitstellen. Nur dann ist es möglich, diese Förderungen auch zu erhalten. Bedenkt man, dass in diesem Bereich schon bei kleineren Vorhaben die Millionengrenze überschritten wird, dann kann man verstehen, dass speziell kleine Gemeinden hier ganz schnell an ihre Grenzen stoßen.
Ölhafen betont, dass derzeit verschiedenste Modelle und Denkansätze diskutiert werden, wie die Gemeinden, die ja meist Eigentümer dieser Kleinanlagen sind, das notwendige Kapital aufbringen können. „Die Frage ist doch, wie viele Skigebiete braucht das Land?“, meint Ölhafen und ergänzt: „Man könnte auch darüber diskutieren, wie man den Zugang zu den großen Skigebieten erleichtert bzw. verbessert und die kleinen unrentablen zusperrt.“ Von einem Finanztransfer von den großen zu den kleinen Betreibern warnt Ölhafen jedoch unmissverständlich. Von einem Finanztransfer von den großen zu den kleinen Betreibern warnt Ölhafen jedoch unmissverständlich, und ist damit mit Gasteiger einer Meinung: „Es dürfen keine Abhängigkeiten und Monopole entstehen,“ so Klaus Gasteiger.
Es sind die kleinen Lifte, die notwendig sind, damit Kinder und Jugendliche auch weiterhin im Heimatort Ski fahren lernen können und auch die Gäste, die sich die großen Skigebiete, inklusive dem dort herrschenden Tohuwabohu, nicht leisten können und wollen, bei uns noch ihren Platz haben. Zumindest darüber sind sich alle Beteiligten einig. Hugo Huber

 
Echo Tirol

Ruhe bewahren und kaufen bewahren und kaufen

Die Anlageprofis Barbara Spanring und Markus Jäger über antizyklisches Verhalten, die derzeitige ­Berg- und Talfahrt an den Börsen und was einen guten Anlageberater auszeichnet.

ECHO: Wie ging es Ihnen in den letzten drei – doch sehr schwierigen – Jahre?
Barbara Spanring: Eine spannende und beratungsintensive Zeit liegt hinter uns. Entscheidend ist, dass gutes Geld immer in Krisenzeiten zu verdienen ist. In dieser Zeit ist es unsere Aufgabe, die Kunden darin zu bestärken, nicht ihren Emotionen zu folgen, sondern Ruhe zu bewahren und zu kaufen. Grundsätzlich sind jedoch auch an uns die intensiven Schwankungen des Finanzmarktes nicht vorbeigegangen. Unser Vorteil ist, dass wir auf langjährige Kundenbeziehungen zurückgreifen und teilweise auch noch recht junge Kunden haben, die noch lange Veranlagungslaufzeit haben. In regelmäßigen Betreuungsgesprächen konnten wir unsere Kunden überzeugen, in Zeiten des Kursverfalls nicht die Nerven zu verlieren, sondern investiert zu bleiben und nachzukaufen. Dadurch haben wir in den letzten Jahren, wo sehr viele aus dem Markt ausgestiegen sind, größere Volumen eingesammelt. Nichts desto trotz hatten natürlich auch wir Erklärungsbedarf, speziell bei Kunden mit einem großen Geldbestand. So verloren wir kaum Kunden – eher im Gegenteil – wir haben aufgrund von Empfehlungen unsere Kundenzahl trotz der schwierigen Phase steigern können. Selbstredend ist, dass auch ich hoffe, dass zeitnah wieder mehr Ruhe in den Markt zurückkehrt – obwohl ich das nicht so rasch erwarte.
Markus Jäger: Meine Kunden sind im Schnitt ca. 10 Jahre älter wie die meiner Kollegin, aber trotzdem noch mehr als 15 Jahre von deren Pensionsantritt entfernt. Natürlich ist altersbedingt auch deren Volumen größer. Da wir immer sehr zielfokussiert mit unseren Kunden arbeiten, besteht die Veranlagung immer aus mindestens drei Teilbereichen – kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Dadurch ist sichergestellt, dass dann, wenn der Kunde sein Geld braucht, dieses auch vorhanden ist. Nun ist natürlich klar, dass die mittel- und langfristige Geldanlage auch schwanken kann, denn wir können den Markt nicht beeinflussen, wir können nur den Markt zu unserem Vorteil nutzen. Und wenn, wie beispielsweise 2009, die Möglichkeiten für niedrige Einstiegskurse oder bei Sparplänen der Cost Average Effekt konsequent genutzt wurden, dann haben die Kunden einen deutlichen Mehrwert erzielt.
ECHO: Das Verhalten von Anlegern scheint oft sehr irrational zu sein?
Jäger: Durchaus. Ich möchte ein Beispiel bringen: Wenn in der Zeitung eine Werbung steht, dass irgendwo Schuhe oder Anzüge um 50 Prozent billiger zu haben sind, dann laufen alle dorthin, um sie zu kaufen. Wenn die Zeitungen jedoch schreiben, dass die Aktienkurse runtergehen, dann laufen viele weg. Unsere Aufgabe als Finanzberater ist es, unsere Kunden zu animieren, trotzdem hinzugehen und zu kaufen, auch wenn sie es aus eigenem Antrieb nicht getan hätten. Also ist es meine Dienstleistung, hier den Kunden den Rücken zu stärken und Hilfestellung zu leisten, vor allem wenn die Märkte für den Kunden undurchschaubar werden, oder nicht kalkulierbar sind. Naturgemäß waren auch wir von den starken Schwankungen betroffen, aber Totalausfälle hat es bei uns nicht gegeben.
ECHO: Bieten Sie Hochrisiko-Anlagen an?
Jäger: Nein. Solche Anlagen, also Einzelaktien oder hoch spekulative Veranlagungen, bieten wir nicht an.
ECHO: Ihr Kunde hat aber die Möglichkeit sein Geld in einem Hedgefond anzulegen?
Spanring: Ein Hedgefonds ist ja in seiner Grundfunktion per se nichts Schlechtes. Hedgen bedeutet absichern. Wenn der Kunde es explizit wünscht oder wenn wir gemeinsam mit dem Kunden die strategische Entscheidung treffen, dass eine prozentuelle Beimischung zu einer Risikoreduktion seines Gesamtdepots führt, dann schon.
ECHO: Sie offerieren 12.000 Finanzprodukte von 500 Anbietern. Kann man als Berater all diese Produkte überhaupt kennen?
Spanring: Die Berater in unserem Unternehmen zählen zu den bestausgebildetsten Berater am Markt. Neben einem Hochschulstudium und hochwertigen fachspezifischen Aus- und Weiterbildungen haben viele die Ausbildung des Certified Financial Planers absolviert (CFP). Trotzdem ist es unmöglich, dass der Einzelne den Dschungel der Produkte am Markt im Detail kennt. Hierbei unterstützen uns die unternehmenseigenen Researchexperten. In einem zeitaufwendigen Verfahren überprüfen unsere Produktmanager in ihrem jeweiligen Fachgebiet die Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte. Nach strengen Qualitätsmerkmalen erhalte ich dadurch ein gut vorselektiertes Produktspektrum, das mir gewährleistet, dass die Produkte sich im besten Drittel des Marktes befinden. Meine Aufgabe ist es, innerhalb dieser Produktauswahl mich extrem gut auszukennen.
ECHO: Ist es in der jetzigen Situation richtig, sein Geld in Aktienfonds anzulegen?
Jäger: Es gibt grundsätzlich keinen falschen Zeitpunkt für Veranlagung. Man muss hier den Begriff Zeitraum beachten. Wenn der Kunde sein Geld heuer oder nächstes Jahr braucht, dann wäre es aus meiner Sicht falsch, in Aktienfonds zu investieren. Andererseits, wenn er dieses Geld in den nächsten 20 bis 25 Jahren nicht braucht, dann wäre es genauso fahrlässig, wenn ich ihm zum Beispiel einen Bausparvertrag oder gar ein Sparbuch empfehle. Man weiß einfach: Er kann mit diesen Instrumenten nicht einmal die Inflation abdecken. Deswegen braucht jeder Kunde eine Beratung, weil er es selbst nicht schafft, seine Emotionen zu zügeln. Viele meinen, am Ende des Jahres am vermeintlich „sicheren“ Sparbuch ein paar Euro mehr zu haben. Subjektiv hat sich also das Geld vermehrt. In der Realität wird der Zinsgewinn aber durch Kapitalertragssteuer und die Inflation aufgefressen.
ECHO: Was sind „realistische“ Renditen?
Jäger: Hier müssen wir differenzieren. Wir wissen, dass wir in den letzten 200 Jahren aus Aktien eine Rendite von 8,5 Prozent erwirtschaften konnten, aus den letzten 100 Jahren 9,5 Prozent und aus den letzten 50 Jahren zehn Prozent. Wenn Sie aber bei der Rendite berücksichtigen, dass auch Kosten wie Depotkosten, Ausgabeaufschlag, Managementfee dazukommen und am Ende auch Vater Staat mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer mitschneidet, dann waren in der Vergangenheit etwa fünf Prozent netto zu erzielen. Hiervon muss noch die Inflation abgezogen werden. Eine breite, nicht korrelierende und vernünftig strukturierte Veranlagung bringt ca. drei Prozent über Inflation. Und das gilt weltweit. Es ist also eine irrige Meinung, dass man in irgendeinem anderen Land auf der Welt einen deutlich höheren Nettoertrag erhält. Um bei einem aktuellen Beispiel zu bleiben: Sie könnten in griechische Staatsanleihen investieren. Für die gibt es derzeit weit über zehn Prozent Zinsen. Ich muss aber auch wissen, dass ich den halben Wert verlieren kann, oder ich mein investiertes Geld überhaupt nicht wiedersehe.
ECHO: Wie kommen Sie zu Ihrer Bewertung der Fonds, Pensionskassen usw., die Sie dann Ihren Kunden als Anlagemöglichkeit bieten?
Jäger: Wir greifen hier auf interne Auswertungen unserer Researchexperten über die Performance aller betrieblichen Vorsorgekassen zurück, wie sie in der Vergangenheit gewirtschaftet haben und wie sie ihre Investments strukturieren. Diese Informationen bilden die Grundlage für unsere Empfehlungen.
Spanring: Die Kunden wissen heute, dass unser Pensionssystem langfristig nicht finanzierbar ist. Das Bewusstsein hierfür ist zugegebenermaßen bei den Österreichern noch nicht so weit entwickelt wie bei unseren Nachbarn in Deutschland, jedoch auch hierzulande sorgt man vor. Im Sinn der Diversifizierung stellen die Pensionskassen und die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge einen Teil des persönlichen Vorsorgeplans dar. Jedoch beides ist kein Allheilmittel und beide weisen Mängel auf. Da wir nicht wissen, was die Zukunft bringt, raten wir jedem Kunden, seine Pensionsvorsorge ebenso auf mehrere Beine zu stellen und vor allem flexiblere Vorsorgemöglichkeiten stärker zu nützen.
ECHO: Sind die Zahlen, die durch die Medien geistern, man spricht von einen jährlichen Finanzvolumen auf den Märkten von 1600 Billionen Dollar, noch nachvollziehbar.
Jäger: Sie sprechen hier aus meiner Sicht ein ganz wichtiges Thema an. In vielen Bereichen wird nicht mehr Geld investiert, sondern mit Zahlen jongliert. Und dann liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass wenn ein hohes Kursniveau erreicht ist und es anschließend sinkt, dann immer zu einem der größten Einbrüche kommt. Zum Beispiel: Wenn der ATX bei 1000 Punkten steht und es kommt zu einem Einbruch von zehn Prozent, dann verliere ich 100. Wenn er aber bei 5000 steht dann verliere ich 500. Es wird uns dadurch von den Medien suggeriert, dass das System nicht mehr funktionieren kann. Ich glaube, dass das System schon funktioniert, dass es aber derzeit von den Staaten falsch gesteuert wird. Zum Beispiel: In Österreich wurde heuer die Vermögenszuwachssteuer eingeführt und es werden alle Investoren gleichermaßen über einen Kamm geschert, egal ob es ein sogenannter Day-Trader ist, der sekündlich Geld reinpumpt bzw. rausnimmt und eigentlich nur Arbitrage-Geschäfte macht, oder ob es ein Investor ist, der tatsächlich sein Geld in die Aktien eines österreichischen Unternehmens investiert und damit ja eigentlich der österreichischen Wirtschaft hilft zu investieren, zu wachsen und Arbeitsplätze schafft. Der Day-Trader ist hingegen einzig und allein auf schnelle und hohe Gewinne aus. Man müsste mehr staatliche Anreize schaffen, um dadurch zu verhindern, dass nur auf Gewinne und Verluste gewettet wird.
Spanring:Die Börsen sind derzeit enorm getrieben. Und zwar auf der einen Seite durch Schreckensmeldungen in den Medien und auf der anderen Seite von Spekulationskäufen. Die Unternehmen selber sind auf der anderen Seite gut aufgestellt. Ihr Aktienkurs wird augenblicklich zu Unrecht abgestraft. Der Preis für die Aktien vieler Unternehmen passt vielfach mit der guten Erfolgslage der Unternehmen nicht zusammen. Ich bin überzeugt, dass diese Ungerechtfertigkeit noch andauern kann, sich aber mittelfristig wieder korrigieren wird.
ECHO: Sind die Märkte so rational und effizient, wie häufig behauptet wird?
Spanring: Das sind sie nicht, weil die handelnden Teilnehmer immer Menschen sind und diese handeln immer auch emotional.
ECHO: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation und was würde dies für Anleger bedeuten?
Spanring: Ich habe den Eindruck, dass die Angst auf den Finanzmärkten sich zur „self-fullfilling-prophecy“ auswächst und so das Wirtschaftswachstum künstlich verhindert. Es gibt aber auch Zeichen, dass das Weltwirtschaftswachstum gebremst wird. China betreibt beispielsweise eine rigorose Bremspolitik, um ihre Inflation in den Griff zu bekommen. Das Wachstum ist dort immer noch sehr hoch, jedoch durch die Konzentration auf den chinesischen Binnenmarkt dürfte die Dynamik von Im- und Exporten deutlich nachlassen. Für die Anleger bedeutet das einmal mehr, dass sie weiterhin mit starken Schwankungen am Markt rechnen müssen. Daher ist es wichtig, breit diversifiziert zu sein. Breit bedeutet jedoch nicht eine Ansammlung von vielen Fonds, die im Fall von Markteinbrüchen alle in dieselbe Richtung laufen, nämlich nach unten, sondern eine strategische Zusammensetzung einander nicht korrelierender Assetklassen.
ECHO: Wie beurteilen Sie den möglichen „Schuldenschnitt“ Griechenlands?
Spanring: Das ist eine schwierige Frage auf die auch die Spitzenökonome keine wirkliche Antwort haben. Einige Volkswirte sehen eine Sanierung von Griechenland nur möglich, wenn ein Schuldenerlass und der Austritt aus dem Euro für Griechenland kommen. Persönlich denke ich, dass der Schuldenschnitt unabsehbare Folgen für die Gesamtwirtschaft hätte, mit denen wir nicht umgehen könnten. Letztendlich würde der Schuldenschnitt vor allem uns EU-Bürger im täglichen Leben sehr belasten. Durch den Rettungsschirm wird die aktuelle Misere um die Staatsschulden in die Zukunft verlagert, jedoch nicht gelöst.
ECHO: Was soll ein potenzieller Anleger aus Ihrer Sicht beachten bzw. was macht einen seriösen Finanzdienstleister aus?
Spanring: Ich empfehle dem Anleger, sich bei seinem Berater über seine persönliche Ausbildung sowie über seine Berufserfahrung zu erkundigen. Eine gute Grundausbildung und stetige Fortbildung, die nicht nur firmenintern, sondern vor allem bei anerkannten externen Instituten erfolgt, sind heute unerlässlich, um eine qualifizierte Beratungsdienstleistung in den schnell verändernden Märkten zu garantieren. Zudem ist die Anzahl der betreuten Kunden ein wichtiges Indiz, wie viel Zeit der Berater seinen Kunden widmen kann. Betreut der Berater mehrere Hundert Kunden oder gar 1000, dann kann man sich schnell zusammenrechnen, dass der Berater nicht sehr viel Zeit für eine persönliche und individuelle Beratung hat. Ihr Berater sollte aus einer breiten Produktpalette verschiedener Anbieter auswählen können, denn hauseigene Produkte sind in der Regel nicht in allen Bereichen top. Kein seriöser Finanzberater wird Ihnen in Ihrem ersten Treffen eine konkrete Kaufempfehlung geben. Im Gegenteil, auf Basis der von Ihnen gemeinsam erarbeiteten individuellen Informationen wird er Ihnen ein Konzept erstellen, mit welcher Strategie Ihre Geldanlage zu konzipieren ist. Seien Sie offen für neue Anlageformen. Achten Sie jedoch darauf, dass alle Fragen vor dem Vertragsabschluss geklärt sind. Abschließend zeichnet einen guten Berater, neben regelmäßigen Check-up-Terminen, die intensive Zusammenarbeit mit Ihrem Steuerberater aus.
ECHO: Würden Sie für Ihre Kunden Gelder in Investmentfonds anlegen, die Eurobonds in ihrem Portfolio haben?
Spanring: Es gibt immer wieder Marktzeiten, in denen Anleihen ihre Berechtigung haben. Vergleicht man aktuell die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen, dann wird klar, dass in der nächsten Zeit hier keine vernünftigen Renditen zu erzielen sind. Die Euro-Bonds wirken von ihrer Funktion her wie ein Rettungsschirm. Im Prinzip sind Euro-Bonds mit den amerikanischen Subprime-Anleihen zu vergleichen, wo gute und schlechte Bonität vermischt wurden, um schlechte Bonitäten unter die Anleger zu bringen. Daher wäre ich in der aktuellen Situation, wo die Tragweite der Euro-Bonds noch nicht abzuschätzen ist, zurückhaltend mit der Kaufempfehlung für Euro-Bonds.Interview: Hugo Huber

Die Scopia AG wurde als österreichische Tochtergesellschaft der MLP Finanzdienstleistungen AG mit 31.12.2009 von der Aragon AG mit Sitz in Wiesbaden ganzheitlich übernommen. Den Bereich Geldanlagen hat die Scopia über den Poolpartner-Bereich der Schwesterfirma Jung DMS ausgelagert. Das hat den Hintergrund, dass Scopia damit das Haftungsdach von Jung DMS & Cie. nützen kann. Jung, DMS & Cie. ist einer der größten Maklerpools in Deutschland und Österreich. Die Unternehmensgruppe ist heute mit einem vermittelten Anlagevolumen von über 3,6 Milliarden Euro allein im Investmentfondsgeschäft eine der größten Einkaufsgemeinschaften unabhängiger Finanzberater in Europa. Hintergrund: Seit Einführung des Finanzmarktrichtlinie- Umsetzungsgesetzes muss, wer weiterhin eine umfassende Anlageberatung für seine Kunden gewährleisten möchte, die über Investmentfonds hinausgeht, einem Wertpapierdienstleistungsunternehmen (einem so genannten Haftungsdach) angehören.

 
Echo Tirol

Die Zukunft der Lehre

Die sinkende Zahl der Pflichtschulabgänger, das schlechter werdende Image der „Berufswahl Lehre“ und ein veraltetes Bildungssystem stellen die Wirtschaft zunehmend vor Probleme. Bildungsexperten fordern eine umfassende generelle Bildungsreform und auch Änderungen in der Lehrlingsausbildung.

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